Weihnachtsmann

Jedes Jahr im Dezember taucht sie auf, die Frage nach dem Weihnachtsmann. Es gibt zwei Fraktionen, die, wie relativ häufig bei Müttern zu beobachten ist, absolut kontrovers diskutieren. Null Toleranz. Nada. Die Frage ist, ob das Konstrukt vom Weihnachtsmann, respektive Christkind, noch sinnvoll oder wünschenswert ist.

Fraktion „Realismus bitte!“

Eine Seite (nennen wir sie Realisten) vertritt die Meinung, in Zeiten, in denen wir unseren Kindern immer mehr auf Augenhöhe begegnen und bedürfnisorientierte Erziehung das Nonplusultra ist, muss man die Geschichten vom Weihnachtsmann als absolute Respektlosigkeit vor dem Kind einschätzen. Man erzählt den Kindern wilde, an den Haaren herbeigezogene Geschichten von dicken, strengen Männern, die Geschenke auf der ganzen Welt verteilen. Schon komisch, wo man doch sonst so viel Wert darauf legt, den Kindern mit unbedingtem Respekt zu begegnen und sie nicht zu manipulieren. Irgendwie ist da was dran. Ich mache täglich den Tanz zwischen „nehmt die Kinder ernst wie alle Erwachsenen auch“, aber vergesst nicht, wie klein sie noch sind. Gleichzeitig erzähle ich ein wildes Märchen und achte generalstabsmäßig darauf, dass sie nicht mitbekommen, dass ich lüge? Das ist absolut paradox.

Wenn wir hier schon mal die Spitze absägen, bekommen wir ihn vielleicht in die Wohnung!

Fraktion „Das Weihnachtswunder darf nicht sterben!“

Die andere Fraktion (nennen wir sie Weihnachtswunder) wünscht sich nichts so sehr, wie die wertvolle Fantasiewelt der Kinder zu erhalten und sieht den Zauber von Weihnachten allein in der Tatsache begründet, dass man die Kinder so lange wie möglich im Unklaren lässt, wer denn an Weihnachten eine wichtige Rolle spielt. Das ist absolut nachvollziehbar. Erinnern wir uns doch alle an diesen Zauber, den das als Kind auf uns ausgeübt hat.

Den Zauber zu erhalten, ist gar nicht so einfach für die Weihnachtswunderfraktion. Die Weihnachtstraditionen und ihre Ausprägung sind so unterschiedlich wie der Christbaumschmuck. In einigen Familien kommt das Christkind und es schmückt entweder den Baum oder bringt die Geschenke. Wichtig ist auf jeden Fall das Glöckchen, das den Eintritt in die gute Stube erlaubt. In anderen Familien kommt der Weihnachtsmann am Heiligen Abend, die Kinder sagen ein Gedicht auf und sind wahnsinnig brav. Ja, wenn doch jedes Kind an eine andere Zeremonie glaubt, wie sollen die denn nur nicht dahinterkommen, wie es wirklich ist? Und wie soll es denn eigentlich sein?

Weihnachtsmann

Brav sein für den Weihnachtsmann?

Im Kreise der Weihnachtswunder-Eltern entbrennt eine Diskussion darüber, ob den Kindern gesagt werden darf, sie müssten brav sein, um die Geschenke aus der Hand des Fantasiewesens zu empfangen. Darf es den Krampus noch geben? Also einigen wir uns darauf, dass zwar ein fremdes, nie gesehenes Wesen Geschenke oder Christbaumschmuck verteilt, aber die sehr veraltet anmutende Variante von den nur braven Kindern, die beschenkt werden, schaffen wir ab. Klingt auch komisch, oder nicht?

Weihnachten ist prima, aber bitte ohne diesen religiösen Quatsch

Auf einer Facebook-Seite stellte vor Kurzem eine Mutter die Frage, wie sie (Atheistin) denn ihrem Kind die Weihnachtsgeschichte erzählen könne – aber bitte ohne zu religiös zu werden. Das habe ich nicht verstanden, denn ich dachte an Weihnachten sind zumindest zwei Dinge klar geregelt:  Mama hat im Kopf, dass Onkel Eberhardt nur Bier trinkt und der Grund für die Feier ist die Geburt von Jesus Christus. Äh, sorry, wie die Geschichte ohne allzu viel Religion zu erzählen ist, bleibt mir ein Rätsel.

Weihnachtsmann

Ich bin kein großer Fan von amerikanischen Weihnachten, aber dieser Spruch trifft den Punkt

Man kann sich vorstellen, wie die Gemüter auf diese Frage hin hochkochten. Verstehen konnte ich es aber nicht. Ich möchte wahnsinnig gerne mal ein Weihnachtsfest mit einem riesigen Baum, vielen Geschenken, Liedern und Essen bis zum Abwinken erleben, an dem Gäste aller Weltreligionen und Atheisten teilnehmen. Mit Freude. Natürlich würde ich gerne jedem großen und kleinen Gast die Geschichte erzählen, warum wir Christen genau dieses Fest als absoluten Höhepunkt des Jahres gewählt haben. Weil es um Frieden und Hoffnung geht – ist das nicht wunderbar? Es geht nicht um Weihnachtsmänner, Christkinder, Fantasie vs. Realität. Es geht nicht um Glaube oder Nicht-Glaube. Es geht schon gar nicht um Geschenke! Das machen wir daraus und finden es schön oder nicht. Ist doch völlig egal. Urteilt doch nicht darüber, was andere Menschen an Weihnachten machen. Weihnachten ist warm und schön, weil diese ziemlich religiöse Geschichte uns sagt: Hey, Leute. Alles wird gut, wenn ihr lieb miteinander seid. Um diese Botschaft zu verstehen, muss man nicht an irgendeinen Gott glauben.

Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann kann kommen

Meine Tochter hat mich schon mit drei Jahren ausgelacht, wenn ich etwas vom Weihnachtsmann oder Osterhasen erzählt habe. „Du bist so alt und glaubst noch an den Weihnachtsmann?“ Das liegt wahrscheinlich daran, dass diese Rituale in meiner Kindheit keine große Rolle gespielt haben und ich das deshalb nie sehr glaubwürdig gemacht habe. Aber ich habe sie gebeten, Kinder, die daran glauben, nicht „aufzuklären“. Das hat sie kapiert, weil es wehtut, ausgelacht zu werden. Das war unser kleines Weihnachtswunder.

Ich freue mich auf den Heiligen Abend. Wir frühstücken ausgiebig (jeder darf sich etwas wünschen, das sonst nicht auf den Frühstückstisch kommt) und dann schmücken wir alle gemeinsam den Baum. Später geht es in den Kindergottesdienst und ich werde ganz traditionell bei „Stille Nacht“ anfangen zu weinen. Ganz schrecklich doll. Ich denke dann immer an meine Mama, die nicht mehr mit uns feiern kann. Ich denke daran, welchen Stress sie immer an Weihnachten hatte und wie gerne ich sie jetzt bewirten würde. Nach dem Gottesdienst drücken wir uns ganz fest und es geht heim zu Kartoffelsalat und Würstchen. Dann kommt die Bescherung. Ohne Weihnachtsmann oder Christkind, aber mit vielen Geschenken und einem Baum bis unter die Decke. Weil Weihnachten toll ist.

Auch darüber, ob man noch Bäume in die Wohnung stellen sollte, gibt es heißblütige Diskussionen! Wir kaufen regional, sägen selbst ab und nehmen auch echt krumme Dinger. Nur bis unter die Decke müssen sie gehen und Dinos müssen dran hängen. Wir Spinner!


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