Gestern habe ich das Abschiedsvideo von Sophia Thiel gesehen. Ja, Sophia Thiel die mega gehypte Fitness- Influencerin, der Guru jeder jungen Frau die sich zu dick oder unfit fühlt. Ach, was heißt jeder jungen Frau, eigentlich bewundert jeder Mensch die Sophia Thiels dieser Welt.

Sophia hat sich ein Herz gefasst, die Wahrheit zu sagen. Alles ist zu viel geworden. Sophia hat zugenommen, obwohl sie ja so sehr beruflich wie privat von ihrer Gewichtsabnahme und ihrer Fitness profitiert hat. Sie beschreibt etwas, das alle Menschen die immer wieder mit ihrem Gewicht kämpfen nur zu gut kennen. Essen übernimmt in ihrem Leben viele Funktionen und wenn das Leben durch Stress, Ärger oder Kummer belastet ist, gelingt es einfach nicht mehr diese Funktionen durch andere Dinge zu ersetzen.

Mir geht es genau wie Sophia, nur gottseidank verdiene ich mein Geld nicht damit, schlank zu sein und anderen zu zeigen, wie es geht. Aber meine persönlichen Fakten finde auch ich erschreckend. Im Jahr 2017 habe ich 30 Kilo abgenommen und davon 20 Kilo wieder zugelegt. Im Jahr 2018 ist es mir gelungen, diese 20 Kilo wieder abzunehmen. Bleiben unterm Strich 10 Kilo weniger. Immerhin könnte man sagen, aber wenn ich mal so ehrlich bin wie Sophia… bin ich aktuell dabei zu kämpfen wie eine Wahnsinnige, um genau diese 10 Kilo wenigstens zu bewahren. Was für ein Elend, wo könnte ich schon sein auf meiner Reise zu der Frau, die ich sein will.

Was sagen die Anderen?

Eine Bekannte hat kürzlich zu mir gesagt, dass sie es bewundert das ich seit Jahren immer wieder loslege und mich nicht unterkriegen lasse. Natürlich hat mich das gefreut und es ist eine mögliche Sichtweise. Ich versuche ihr zu folgen und mich nicht über die Kilos zu ärgern, die schon weg sein könnten. Hätte, hätte Fahrradkette ist auch sonst nicht so mein Ding.

Eine Kollegin war sich sicher, wenn ich beruflich erstmal wieder richtig Fuß gefasst hätte, würden meine Kilos von alleine verschwinden. Darüber musste ich lachen, gerade diese beiden Themen waren in meinem Leben immer sauber von einander getrennt. Eigentlich war es eher umgekehrt, wenn ich wenig verdient habe, habe ich meinen Tag mit Bewegung gefüllt und war leichter.

Eine gute Freundin fragte mich kürzlich, ob es denn nicht zu peinlich ist, immer wieder öffentlich über meinen persönlichen Krieg mit mir selbst zu berichten. Darüber das ich es nicht schaffe, mein Gewicht zu halten. Ich habe darüber nachgedacht und komme zu dem Ergebnis: Nein verdammt. Das ist mir null peinlich, weil es mir nur so geht wie tausenden anderen Menschen. Jeder Mensch mit deutlichen Gewichtsproblemen hat dieses Ding. Dieses Loch im Kopf, das sich nur mit Essen stopfen lässt. Das ist ein Problem wie jedes andere auch? Warum ist man bei Magersüchtigen mitleidig und unterstellt mir, dass ich mich nicht im Griff habe? Warum sorgt man sich um Schauspielerinnen und Models, deren Knochen herausstehen und Sophia Thiel muss ihr Abschiedsvideo lieber ohne aktuelles Bild von sich machen, damit niemand spottet?

Selbstmitleid

Normalerweise neige ich nicht dazu mich zu fragen, warum denn ausgerechnet ich mit dieser Plage der Neuzeit gesegnet sein muss. Denn im Umkehrschluss müsste dann auch die Frage zulässig sein, warum denn jemand anders das mitmachen muss. Ich bin mir sicher, ich will das nicht mehr so. Deshalb muss ich weiter machen. Wie Sophia. Die fährt jetzt erstmal ihr Arbeitspensum zurück und ich bin sicher sie wird schlank und frisch gestärkt wieder auf dem Markt erscheinen. Ich gönne ihr jeden Cent und mache weiter. Es gibt allerdings eine Studie, die besagt das nur 20% aller Menschen es schaffen, verlorenes Gewicht nicht wieder zuzulegen. 20% !! (NWCR (National Weight Control Registratry) Die Studie zeigt, dass Menschen, die mindestens 10% Ihres Ausgangsgewichtes verloren haben das ein Jahr lang halten konnten. Wer es länger als ein Jahr schafft, hat bessere Chancen. Nun. Das lässt mich nicht rosig in die Zukunft blicken, ich mache trotzdem weiter. Ich bewege mich eine Stunde am Tag aktiv und ich zähle Kalorien. Weil Aufgeben ebene keine Option ist für eine starke Frau und Mutter eines sechsjährigen Kindes.

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