Eigentlich bin ich ein Mensch, bei dem der Alltag ziemlich problemlos läuft. Ich bin recht gut organisiert und in meinem normalen Chaos umsichtig genug. Dazu kommt wohl noch ein Quäntchen Glück. Über Menschen, die mir aufgeregt von ihrem Pech berichteten, schüttelte ich innerlich stets den Kopf und lächelte ihnen mit einer Mischung aus Mitleid und Überlegenheit zu. Diesen formidablen Zustand, mein Leben im Griff zu haben, von Kuchen backen und Figurproblemen mal abgesehen, nahm ich natürlich schon immer als völlig selbstverständlich hin und schrieb ihn meiner strukturierten Denkweise zu, nicht dem oben beschriebenen Glück.

Ohne Internet kein Glück – Willkommen im Pech 2018

Diese eigentlich beneidenswerte Situation endete vor ca. fünf Wochen. Wie es in unserer Zeit nun einmal so ist, wird die allgemeine Zufriedenheit mit dem Leben bestimmt von einer stabilen, schnellen Internetverbindung. Diese Internetverbindung brach bei uns gleichzeitig in meinem Büro und in unserer Wohnung zusammen und mit ihr unsere Ruhe. Zwei Provider hatten ihre Verträge verheiratet und dabei offensichtlich einige Fehler gemacht. Pech gehabt. „Wir bedauern.“ Nun.

Anfangs war ich sehr aufgeregt. Ich habe ja vor wenigen Monaten eine Firma gegründet und das ganz normale Tempo der Geschäftsentwicklung macht mich sowieso nervös. Jetzt sollte ich ohne Aussicht auf ein Ende des Problems offline sein? OFFLINE? Unfassbar. Nach wenigen Tagen konnte ich zumindest von zu Hause wieder gut arbeiten. Nur der Büroanschluss wollte und wollte nicht wieder werden. Über zwei Wochen holte ich mir meine tägliche Dosis Bedauern bei der überlasteten Hotline ab. Jeder Mitarbeiter hatte eine andere Begründung parat. Es wurden Anrufe von Servicetechnikern veranlasst, die nie stattfanden. Dann fand ich heraus, dass bei der Datenmigration offensichtlich nur einer meiner beiden Verträge überlebt hatte. Zwei Anschlüsse für einen Namen mit einer Adresse sind wohl nicht vorgesehen. Ich sprach also mit der Hotline die ganze Zeit über einen anderen Anschluss als die mit mir.

Sicherheitshalber habe ich jetzt den neuen Anschluss bei einem anderen Provider beantragt. Ich frage mich aber schon, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass in einem Haus zwei Kunden mit dem Namen Anke Brinkmann, Michael Müller oder Wang Li leben. In unserem Haus wohnen 320 Parteien, verdammt. Egal. Das Internetproblem sollte morgen wieder behoben sein, falls das mit dem Anschluss klappt, aber ich bin skeptisch. Ich konnte zwar die Auslieferung des Routers nach nur acht Tagen unter Androhung von Waffengewalt erzwingen, aber das ist ja nicht die einzige Hürde. Der Hausmeister hat mir schon dreimal einen wichtigen Zettel vom Klingelschild abgerissen. Vielleicht sollte ich mich mit einem Klappstuhl zwischen 8 und 13 Uhr ins Foyer setzen.

Zahnärzte bringen Glück, nee Pech … oder waren das Schornsteinfeger?

Eigentlich brauche ich nicht über mein Pech jammern, denn im Grunde ist es super gelaufen. Während ich mit dem WLAN-Gott kämpfte, bekam ich Zahnschmerzen und erfuhr, dass ein Zahn raus muss. Das war ziemlich viel Rennerei zwischen Zahnärzten, Krankenkassen und Chirurgen, aber ich hatte ja Zeit, weil mit ausschließlich mobilem Datennetz war Arbeiten sowieso nur recht eingeschränkt möglich. Dass meine Zahnzusatzversicherung die Kosten für das im September benötigte Implantat nicht tragen wird, erwähne ich nur am Rande. Was sind schon 3000 € für ein hübsches Lächeln?

Freitag, der 13., und das Lebensmittelballett

Um mal einen anderen Handlungsstrang zu beginnen, ich langweile mich ja fast schon selbst mit meinem larmoyanten Vortrag über die Internetverbindung, möchte ich von einer Serie an Lebensmittelabstürzen berichten, die sich seit Freitag, dem 13.07., bei mir häufen. Noch im Bett sprach ich mit meiner Tochter über den Aberglauben, der diesen Tag begleitet. Wir haben uns kringelig gelacht. Dann ging ich in die Küche, um ihre Kindergartenbrotzeit zu machen und öffnete den Kühlschrank. Aus dem obersten Fach stürzte sich ein volles Glas Erdbeermarmelade auf meinen Fuß. Der Schmerz des Aufpralls war so stark, dass ich meinen Fuß hochriss und dem Marmeladenglas damit eine verlängerte Flugbahn auf den Steinboden bescherte. Schmerzverzerrt zwischen klebriger Marmelade und tausend Scherben, gelang es mir, nicht laut zu fluchen, weil das Kind neben mir stand. Und das um 7:15 Uhr morgens. Ich erwarte eine Beförderung in die Mütter-Ehrengarde.

Mir war nicht bewusst, dass dieses Marmeladeglas nur die Ouvertüre für mein neues Leben war! Seit „damals“ habe ich viele wertvolle Erfahrungen machen dürfen:

  1. Cocktailtomaten, die mit ihrem 500-Gramm-Eimer vom Küchentisch fallen, rollen erst unter die Schränke und platzen dann.
  2. Kaffeebohnen tanzen ganz wunderbar auf dem Fliesenboden, wenn man sie von der Arbeitsplatte schmeißt. Machen Sie es nur nicht wie ich, schmeißen Sie kein ganzes Kilo – den Tanz können Sie auch prima mit einer Handvoll Bohnen beobachten!
  3. Kennen Sie diese kleinen, ungesunden Kaffeegetränke von Starbucks, die im Kühlregal stehen? Tolles Zeug, ordentlich Plastikmüll, Fett, Zucker und Koffein, genau mein Ding. Nicht. Wenn man allerdings total gestresst im Supermarkt umherirrt, weil man NATÜRLICH den Einkaufszettel dann zu Hause lässt, wenn alle Rentner der Stadt gemeinsam beschließen, bei der Hitze mal schön durch die Tiefkühlabteilung zu schlendern, dann kauft man sich sowas. Kennen Sie? Belohnung und so. Ich muss Sie warnen: Vergessen Sie niemals den Strohhalm zu knicken. Der rutscht sonst komplett in den Becher, wenn Sie das Zeug direkt am Steuer in sich gießen. Sie öffnen den Deckel und schütten sich ungefähr den halben Becher kalten, zuckrigen Kaffee über Lenkrad, T-Shirt und Hose. Ja, das wird passieren. Ich habe es getestet. Gestern.
  4. Eine ganz neue Erfahrung war im Rahmen dieser wunderbar lehrreichen Zeit für mich, dass mein Einkaufskorb sportlich ist. Als ich nach der Einkaufstour den Kofferraum öffnete, überschlug sich der pflichteifrige Geselle und leerte sich komplett auf den Parkplatz aus. Respekt bei der Hitze. Ich weise an dieser Stelle auf die erstaunliche Ähnlichkeit der Worte Bastkorb und Bastard hin – es waren keine Kinder anwesend.

Jetzt höre ich wieder auf mit meinem Gejammer. Ich erzähle nicht, warum sich ein normaler Autokauf bei mir über sechs Wochen hinzieht. Berichte über an Türklinken zerrissene Seidenblusen und geklaute Autoreifen sowie platte Fahrräder und Co. erspare ich Ihnen. Wer will das wissen? Ich sage nur so viel: Ich bin erstaunt, dass die Waschmaschine noch läuft und: „Hauptsache wir sind gesund!“ Ach ja, diesen Beitrag auf Muttiglueck.de verdanken Sie einem um 35 Minuten verspäteten ICE. Ist doch prima, wenn man mal Zeit hat!

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