Elternblogs

Viele Freunde und Bekannte fragen mich zurzeit, warum ich mir denn so ein aufwändiges Hobby wie einen Blog ausgesucht habe, was der Blog so an Arbeit erfordert und ob ich jetzt in den Muttikrieg ziehe.

Meine Antwort lautet immer, dass mir Schreiben Spaß macht und das ich ganz persönlich glaube, es ist an der Zeit das Mütter sich trauen, aus ihrem echten Leben zu berichten. Weil das wichtig ist, weil die Lebensleistung von Eltern und im Besonderen von Frauen noch immer völlig ignoriert wird, aber davon später mehr.

Das was ich an Elternblogs kenne, sind entweder hübsche, unfassbar süße, cleane Meere von weiß und pink, mit grünen Farbklecksen. Ach ja und Wimpelketten, wirklich auffällig viele Wimpelketten. Mit Bildern von farbenfrohen Brotzeitbüchsen (sorry, Bentoboxen), in denen sich 5 Sorten Beerenobst und ausgestochene Wurststernchen (!) befinden. Dreijährige in gutem Licht fotografiert, mit gestrickten Stirnbändern, die farblich zum Blumenbouquet auf dem 2.800 € Designersideboard harmonieren. Mit süßen, sauberen Kindern und Wohnpalästen die immer gestylt und hochwertig sind.

Es gibt auch die andere Fraktion, die Armee von überzeugten Langzeitstillerinnen oder Impfgegnerinnen, die Waldorf Pädagogik predigen und ihre Kinder körpernah tragen, bis sie 14 sind. Häufig dogmatisch, manchmal engstirnig, immer im Recht.

Beide Arten von Elternbildern die in diesen Blogs gezeichnet werden, haben ihre Berechtigung. Sind oft liebevoll gemacht und mitunter extrem erfolgreich. Aber in beiden habe ich mich nicht gefunden. Nirgends. Die hübschen, cleanen, machen immer das Gefühl in meinem Bauch, dass bei uns etwas nicht richtig läuft. Sie gaukeln mir eine Elternrealität vor, die es zumindest bei uns nicht gibt.

Auch die „besseren“ Mütter, die ihr Leben strikt nach den Bedürfnissen der Kinder ausrichten, immer bio kochen, nie fernsehen, nur handgemachte Kleidung, bewundere ich total. Aber bei uns läuft es anders, da kann ich auch nicht mithalten. Beim Thema Langzeitstillen, Tragekult und Impfgegnertum wollte ich nicht mithalten, das wird auch nicht das Thema dieses Blogposts, sonst muss ich 5 Wochen ganztags daran arbeiten, den Shitstorm zu bewältigen, befürchte ich.

Muttikrieg

Viele Mütter werden regelrecht wütend, wegen dieser ganzen “ideale Welt” Beiträge. Zum Beispiel Kathy von kathys_wunderbare_welt schreibt mir folgendes zum Thema:

“Heile Welt Mamas” regen mich auf. Warum muss man sich denn so verstellen, in einem Onlineforum? Mich nerven diese Hochglanzbildchen vom perfekten Zuhause, wo alles aufgeräumt ist, die Mami immer perfekt gestylt und der Tag so toll durchstrukturiert ist, dass man 12 Stunden Zeit für das Kind hat. Diese „alles ist so toll“ Texte, ich kann alles, ich weiß alles. Ich meine, die kochen ihre Eier doch auch nur mit Wasser oder leben die alle in der Bussi – Bussi sorgenfrei Welt? Zeigt doch einfach die Realität, denn keine Mama ist so perfekt wie manches Bild erscheint. Warum soll ich denn die Augenringe verstecken, warum mich nicht ungeschminkt zeigen, den Wäscheberg in der Ecke wegretuschieren? Das ist nunmal Mamileben, schön, aber auch verdammt anstrengend.“

Ich wundere mich persönlich ein bißchen über den Erfolg dieser Formate. Wollen Mütter permanent damit konfrontiert werden, wie es eben nicht ist? Was sie eben nicht schaffen, nicht schaffen können? Ich glaube zu merken, dass der Geschmack sich da gerade wandelt. Gut für mich und gesund für das Selbstbewusstsein von tausenden normalen Müttern!

Also, ihr macht das toll, so wie ihr seid! Nur Mut!

Instagrams Muttikrieg

Um einen Blog aufzubauen, muss man seine Zielgruppe auf Instagram aufspüren, dort hat man die Gelegenheit tausende Eltern zu kontaktieren und mehr aus ihrem Leben  zu erfahren. Man kann wirklich viel Nettes, Authentisches und Echtes entdecken. Ebenso wie echte Kuriositäten und viel Banales. Was ich ebenso interessant wie traurig finde, ist die Teilung in verschiedene Lager. Ich habe sowohl von „Vollzeitmamis“ als auch von „Working Mums“ Beiträge gelesen, die deutlich darauf schließen lassen, dass Mütter sich immer kritisieren lassen müssen. Egal welches Lebensmodell sie für sich und ihre Kinder wählen..

Noch schlimmer, dass sie sich gegenseitig immer kritisch betrachten und der jeweils Anderen mindestens Faulheit unterstellen. Zwei Instagram Followerinnen möchte ich hier mal zu diesem Thema zu Wort kommen lassen.

Berufstätige Mutter

Sabrina von immer_zu_zweit_zwillinge  hat mir den Vorfall beschrieben, der sie kürzlich dazu bewogen hat, sich auf Instagram Luft zu machen:

“Wir waren gerade aus einem Kurzurlaub zurück. Es war mal wieder wunderschön und wir haben die Zeit zusammen genossen. Wir machen das öfters, um einfach Mal Zeit für uns als Familie zu haben und die Zeit zusammen richtig intensiv zu genießen. 

Natürlich erzähle ich das gerne und schreibe davon auf Instagram, doch dieses Mal fragt mich eine Freundin nach meinem Post “Ihr wart schon wieder im Urlaub? Dann noch der Hausbau? Da hat dein Mann aber viele Kosten zu tragen.” Mein Mann? Ich habe auch für den Urlaub bezahlt! Auch durch mich ist der Hausbau möglich, welcher Normalverdiener kann die Kosten für einen Hausbau heute noch alleine tragen? Ich gehe 40h die Woche arbeiten, damit nicht nur mein Mann zahlt. Auch ich möchte dieses Leben führen! Ich weiß, dass das teuer ist und nie würde ich verlangen, dass mein Mann das alles zahlt. Ich bin gesund, wir haben zwei, manchmal drei wunderbare Kinder, haben das Glück einen Kitaplatz in einer wirklich tollen Kita zu haben. Und mein Mann, wie auch ich, haben super Arbeitgeber, die das alles ermöglichen, ohne einmal unsere Zuverlässigkeit zu bezweifeln, weil wir zwei Kleinkinder haben. Familie ist etwas Gemeinschaftliches, die Kosten tragen wir beide und wir beide unterstützen uns gegenseitig, dieses Leben gleichberechtigt führen zu können.“

Bevor ich mich in die Selbstständigkeit gestürzt habe, habe ich Vollzeit gearbeitet, mit Kita und einem sehr verständnisvollen Arbeitgeber. Ich musste ständig hetzen, hatte immer ein schlechtes Gewissen- entweder der Arbeit oder dem Kind gegenüber. Die Gewissensbisse wurden bei jedem Termin, jeder Reise mindestens von einem Geschäftspartner gefüttert, mit der Frage was ich denn mit meinem Kind „mache“, so lange ich weg bin. Ein wundervoller Satz, liebe Leute!

Der Satz suggeriert, dass man irgendwo sein hilfloses Kind abgibt, um arbeiten zu können. Wahllos, an der Tankstelle oder am UBahn Kiosk vielleicht. Meine Antwort „beim Vater!?!“ rief tatsächlich manchmal Erstaunen hervor. Ja verdammt nochmal, geht’s noch? Warum wurde eigentlich mein Mann noch nie gefragt, was er mit seinem Kind „macht“, wenn er mal mit Kollegen ausgeht? Noch NIE! Und warum kam eigentlich niemand auf die Idee, dass es so was von völlig normal ist, wenn zwei sich die Erziehungsarbeit teilen?! Teilen, also im Sinne von BEIDE.

Vollzeit Mutter

Jetzt habe ich grade ein Jahr Pause hinter mir und war, wenn man so will, Hausfrau und Mutter. Hauptberuflich. Ich kann auch das Statement von Britta von fulltime_mami , absolut unterschreiben. Mit diesen Urteilen und Ansagen müssen Frauen leben, die sich entschieden haben die eigenen Bedürfnisse hinten an zu stellen und sich ganztags komplett den Kindern zu widmen:

“Mein Lieblingszitat aus dem direkten Umfeld: „Dein Kind hat die Nacht zum Tag gemacht? Gut, dass du nicht arbeiten gehst, dann kannst du dich ja tagsüber ausruhen.“ Äh, ja… Mit einem neugeborenen Baby geht das vielleicht noch, mit viel Glück, aber mein Kind schläft mittags maximal 1 Stunde und ansonsten ist hier Party angesagt… Noch Fragen?”

Ich rege mich ehrlich gesagt ganz schrecklich darüber auf. Warum zum Geier, schaffen es Frauen so häufig nicht, einen Funken Empathie aufzubringen? Wofür gibt es Muttikriege wie diese? Jede Frau, die sich entschließt Kinder zu haben, erbringt eine wirklich große Leistung für unsere Gesellschaft. Ob sie nun Arbeiten geht, oder nicht. Auf Instagram habe ich Frauen „getroffen“, die haben 7 Wunschkinder! In Worten SIEBEN! Wie toll ist das eigentlich, wenn sich jemand traut, sein Leben total der Erziehung von Kindern zu widmen? Wenn wir Mütter es nicht bald schaffen, im Schulterschluss gemeinsam aufzutreten, wird es einfach schwer bleiben, die gesellschaftliche Anerkennung zu bekommen, die uns zu steht. Also los, nur Mut!


Nachtrag! Als dieser Text schon fertig war, habe ich endlich einen Blog gefunden, der passt. Der echt ist! Eine echte Wohltat für mich!

Schaut mal hier: Frau Mutter

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