Eine lange Pause war das. Ich habe wirklich lange nichts mehr für Muttiglück geschrieben und habe auch innerlich immer größeren Abstand genommen. Seit einigen Tagen weiß ich auch warum. Natürlich ist Zeit ein Faktor. Muttispielt wächst immer weiter und es braucht Herz, Leidenschaft und einen ganzen Kopf der immer mehr lernen kann dafür. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, ist das nur ein Punkt. Muttiglück sollte ja etwas Persönliches sein. Ein Hobby. Wo die Texte nicht auf google gefunden werden müssen, wo ich schreibe, weil ich es mag und weil es Leser gibt, die das auch mögen.

Nun, ich habe festgestellt, dass ich immer weniger über mein Kind und immer mehr über mich geschrieben habe. Wisst ihr warum? Weil meine Tochter immer älter wird und ich es zunehmend auch irgendwie als Eingriff in ihre Privatsphäre empfinde. Weil sie natürlich täglich mehr kapiert, was mein Job und was mein Hobby ist und sie interveniert auch! Kinderbilder sind passé. Sie mag nicht mehr fotografiert werden, zumindest meistens. Ich gebe mir schon immer viel Mühe, sie nicht klar zu zeigen, interessante Perspektiven zu finden, aber trotzdem: Eigentlich mag sie nicht gerne „geknipst werden“

Kinderbilder im Netz
Respekt und Medienkompetenz sind die Stichwörter

„Sag das nicht Deinen Freunden!“, das ist ein klares Veto für mich

Es gibt Sachen, die sie nicht öffentlich besprochen haben will – und das völlig zu Recht. Ich habe in der Vergangenheit immer damit vom Thema abgelenkt, dass sie ja in meinen Geschichten mit Humor und Liebe betrachtet wird und dass sie in den Texten, wie im Leben, am Ende irgendwie gewinnt. Aber wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, wird sie Liebe und Humor erst in einigen Jahren herauslesen können. Im Moment lernt sie lesen und der Unterton einer Geschichte gehört natürlich noch nicht dazu.

Ich habe also beschlossen, keine klar erkennbaren Fotos meiner Tochter mehr zu veröffentlichen. Außerdem werde ich weiterhin bei jedem Text gründlich abwägen, ob mein Humor in irgendeiner Weise entblößend für mein Kind ist. Ich werde mir noch genauer überlegen, was ich so schreibe. Wenn meine Tochter gegen ein Motiv Einspruch erhebt, hat sie das absolute Vetorecht und ich werde vor allem nicht bestechen, betteln oder sonst wie manipulieren. Das mache ich sonst auch nicht mit meinem Kind, aber die Reichweite meines Blogs ist mir so wichtig? Was für ein Mist ist das eigentlich?

Familien-Blogger tanzen oft den Tanz auf Messers Schneide

Ich mache es mal bewusst platt, um auch Nicht-Bloggern das Problem ganz plastisch zu schildern.

*JA, VORSICHT: ES FOLGT EINE VERALLGEMEINERUNG, BITTE KEIN SHITSTORM AN DIESER STELLE!*

Wenn man will, dass der eigene Blog erfolgreich wird, dann gibt man am besten so viel wie möglich vom eigenen Leben und dem der Kinder preis und knipst sie regelmäßig in besonders niedlichen oder amüsanten Posen und stellt sie ins Netz. Erstaunlicherweise kommt es offensichtlich den meisten Usern weder auf die Originalität eines Postings, noch auf inhaltliche oder textliche Qualität an. Das kann man an vielen Blogs und Social Media Kanälen deutlich erkennen. Es gibt aber auch eine schöne Anzahl an großen Blogs, die sehr gute Bilder machen, die die Kinder völlig anonym lassen! Wie es dort weiter geht, wenn die Kinder größer werden, wird sich zeigen. Ich wette die Anzahl der Kinderbilder wird trotzdem deutlich weniger. Zusätzlich muss man sagen, die genannten Blogs gibt es meist schon seit sehr langer Zeit. Wer sie in der Reichweite überholen möchte, der muss sich etwas einfallen lassen. Die meisten arbeiten sich so sorgfältig wie möglich auf der Klinge entlang, balancieren es aus.

Einige liegen aber, meiner Ansicht nach, total daneben und breiten Details über ihr Leben aus, die nicht ok sind. Fotos von Kindern in der Badewanne, Bilder von heulenden, schreienden Kindern, vollgematscht bis unters Dach. Ich mag auch keine Bilder beim Stille oder Flaschen trinken. Nicht weil Stillen irgendwie falsch ist, sondern weil ein Bild das Reichweite bringen soll, mir nicht in diesen innigen Moment der Nahrungsaufnahme passen will. Genauso wie ein Bild eines schlafenden Kindes. Es gibt doch private Momente, die auch den Kindern gegönnt sein sollten. Das würden wir doch auch nicht wollen. Bilder wie wir essen, kleckern, weinen von uns selbst im Netz. Ich habe sogar schon einmal eine Nahaufnahme der Beine eines übergewichtigen Kleinkindes gesehen. Natürlich mit Gesicht und verzweifeltem Kommentar der Mutter. Da könnte ich heulen, weil das so respektlos ist.

Warum soll ich andere überholen wollen? Na wegen der Kohle!

Wenn man einmal die Erfahrung gemacht hat, wie gut so ein klares Bild von einem Kindergesicht beim Tomatensoße essen, auf Instagram, Facebook und Co funktioniert, dann tritt die Verführung ein. Ich habe bei einigen Bloggern beobachtet, wie sie sich in ihren Motiven immer weiter an den Punkt heranarbeiten. Die Hemmschwelle sinkt. Die letzten Hüllen der Zurückhaltung fallen dort, wo einmal Geld verdient wurde. Das ist zumindest eine Beobachtung, die ich auch bei mir selbst gemacht habe. Der erste Blogbeitrag, bei dem ich etwas hätte verdienen können, war die erste Versuchung.  So einen Blog schreiben und dazu Social Media-Kanäle aufbauen, ist extrem viel Arbeit. Da freut man sich über etwas Geld. Der Kooperationspartner (Bekleidung für Mädchen ohne rosa und Schnickschnack) hatte den Artikel mit dem Interview mit Anna gefunden und wollte Geld zahlen für eine Fotostrecke. Mein spezielles Mädchen (sie mag keine Mädchenklamotten) und das in unserer Wohnung. Die haben mir richtig viel Geld angeboten, weil Annas Interview sich recht gut viral verbreitete. Ich war ehrlich gesagt hin und her gerissen. Meine Tochter hat das damals sehr eindeutig geregelt und einfach abgelehnt! Gottseidank habe ich damals nicht versucht, sie zu überreden oder zu bestechen. Nicht weil ich ne super Mutter bin, sondern ich war an dem Tag einfach müde und hatte keine Lust mein störrisches Kind in eine Richtung zu bewegen. Daran erinnere ich mich genau! Mit ein bißchen Bestechung oder wenn ich meine Enttäuschung gezeigt hätte, wäre sie sicher dabei gewesen. Gegen ihren Willen.

Eines meiner liebsten Kinderbilder. Das erzählt gleich mehrere Geschichten und verdeckt trotzdem das Gesicht meiner Tochter. Sie liebt das Bild übrigens auch, weil es irgendwie Räuberstyle ist.

Und sonst so? Also ohne Influencer- Gedöns?

Es gibt deutliche Fronten, wenn es um Kinderbilder im Netz geht. Die einen sind völlig sorglos, haben öffentlich zugängliche Facebook- oder Instagram-Profile, die nur so vor Kinderbildern strotzen wie das heimische Familienalbum. Die anderen warnen, oft laut und aggressiv, verurteilen, prangern an.

Ich mag die Fronten nicht, mir sind die „Warner und Gegner“ häufig zu selbstgerecht und die Verurteilungen zu platt. Ich verstehe jedes Elternteil, das die geliebten Kinder zeigen möchte. Die sind doch unser Leben! Wobei selbst das Argument, das sei Sache der Eltern, nicht wirklich greift. Wenn einem Kind etwas getan wird, darf und kann man sich einmischen. Kürzlich postete eine verzweifelte Mutter ein Video ihrer heulenden und verzweifelten Tochter auf einer schwarzen Brett Seite auf Facebook. Sie suchte Rat und Hilfe, aber gleichzeitig setzte sie sich dermaßen über die Persönlichkeitsrechte ihres Kindes hinweg, dass es mich fast zerrissen hat. Natürlich habe ich versucht zu intervenieren, aber ohne Holzhammer.

Shitstorm ist der falsche Weg

Ich kenne die Geschichte einer Bloggerin, die tatsächlich sehr persönlich über ihre Kinder berichtet. Sie wird buchstäblich verfolgt von „Kinder-im-Netz-schützen“-Aktivisten. Erstaunlich und falsch finde ich das. Wenn, dann geht man doch bitte freundlich und höflich vor und fragt die Mutter, ob sie das lieber lassen will, aus diesem oder jenem Grund. Davon ganz abgesehen, lässt es die Funktionsweise von Onlinemedien jeder Art außer Acht. Wenn ich etwas nicht mag, sollte ich mich zurückziehen und nicht durch negative Aktivität für Reichweite sorgen. Aus meiner Sicht machen sich die User, die unter geposteten Kinderbildern einen Shitstorm veranstalten der Verbreitung von unangemessenen Inhalten mitschuldig. Die PN und Abo kündigen wäre also das Mittel der Wahl.

 Ein paar Sätze noch zum Geld verdienen mit einem Blog oder Social Media Kanal

Ich finde das völlig in Ordnung. Genau wie bei allen TV Promis muss man aber bedenken, in welche Abhängigkeit man sich damit begibt.

Wenn man auf das Geld als Teil des Familieneinkommens angewiesen ist, musst man unter Umständen, gegen den Willen des Kindes, Fotos von ihm veröffentlichen. Oder man muss sehr persönliche Geschichten veröffentlichen, um die Reichweite zu behalten. Kinder äußern ihren Widerstand auf verschiedenste Art und Weise. Sie fordern (wenn sie eigentlich nicht wollen) zum Beispiel eine Gegenleistung für ein Foto, oder sie ziehen sich die Jacke über den Kopf oder schneiden Grimassen. Das sie einfach “NEIN” sagen, wird wahrscheinlich seltener vorkommen. Es ist ein schmaler Grat, diese Zeichen voll zu respektieren, wenn man das Bild doch dringend braucht.

Viele Blogger machen Werbung für Unternehmen oder Produkte, die sie eigentlich fragwürdig finden, weil es eine finanzielle Abhängigkeit von ihrer Reichweite gibt.

Sehr viele Blogger sind erstaunt, mit welcher Vehemenz ihre Leser und Follower Kritik äußern. Man muss ganz schön was aushalten, wenn an seinen Kopf ins Internet steckt. Ich glaube manchmal die Härte der Kritik liegt auch darin, dass die Leser so viel von uns wissen, weil wir es preisgeben. Natürlich schafft das eine Art virtuelle Nähe, die sich halt auch mal negativ äußert. Hier gibt es auf dem Mutterkutter einen tollen Beitrag über den Hass, den viele Influencer ertragen müssen. Der Beitrag hat mich sehr bewegt, mir ist ja schon mal etwas Ähnliches passiert.

Wenn man diese Sätze so liest, dann sieht man die absolute Ähnlichkeit zu den Z Promis und dem Dschungelcamp, oder? Die Einkommensquelle „Influencer“ ist keine einfache Sache, ich finde es wichtig das mein Kind dabei nicht verletzt wird. Ich würde die Kleine ja auch nicht in den Dschungel schicken.

Was bei uns jetzt passiert

In Zukunft ändert sich also mein Verhalten. Es wird weniger Privates in der Öffentlichkeit geben. Wenn ihr frontale Bilder von Kindern bei mir findet, das gilt für muttiglueck. de und www.muttispielt.de, dann stammen die von einer Bilddatenbank. Jetzt bitte nicht sagen, “da sind doch auch Kinder drauf, das ist genau das Selbe. Das stimmt ja nicht. Kaum jemand weiß, wer das Kind auf dem Bild ist. Das ist auch der Unterschied von Influencerkanälen zu beispielsweise Katalogfotos. Sie stammen nicht aus einem persönlichen, nachvollziehbaren, privaten Zusammenhang!

Das Bild ist klasse. Es zeigt sogar uns beide, erzählt eine Geschichte und lässt meine Tochter trotzdem außen vor. Da zeige ich lieber meine Lachfalten! #nofilter 😉

Und die Fehler der Vergangenheit?

Ich habe früher Kinderbilder meiner Tochter auf Facebook gepostet, allerdings nur für Freunde sichtbar. Das macht es aus meiner heutigen Sicht nicht so viel besser. Ich lasse das jetzt und werde löschen was geht. Auf Instagram gab es sogar öffentlich zugängliche Bilder. Die habe ich gelöscht. Die google Suche findet uns einmal gemeinsam im Rahmen einer Charity Aktion. Das war eine Initiative meiner Tochter und wir haben das ausführlich besprochen. Wenn sie eines Tages selbst googelt und das gelöscht haben möchte, werde ich alles geben um ihr zu helfen. Mich würde wirklich Eure Meinung interessieren. Was tun mit all den Kinderbildern? Wie haltet ihr das? Ich bitte Euch keine Links zu Seiten zu posten, auf denen Perverse und Spinner Kinderbilder von Fremden im Netz sammeln. Wir wissen alle, dass es das gibt, aber ich werde diese Links sofort löschen.

Ich möchte mich nicht mitschuldig machen an der Verbreitung geklauter Kinderbilder. Von so einem Schmutz haltet bitte Abstand.


Wenn ihr mehr von Muttiglück lesen wollt, könnt ihr mir auf Facebook oder Instagram folgen. Dann erfahrt ihr immer von neuen Beiträgen!



Share: