Seit fast sechs Jahren schlafe ich nicht mehr richtig. Ich meine Tiefschlaf, eine ganze Nacht ohne Unterbrechung bis 10 Uhr. Aufwachen und munter sein gibt es nicht mehr. Es gibt Abstufungen von Wachheit. Manche Nächte schlage ich mir komplett um die Ohren, andere sind im letzten Drittel noch erholsam, aber Ausschlafen scheint für alle Zeit vorbei.

Woran das liegt? Keine Ahnung. Meine Tochter schläft seit ihrem sechsten Lebensmonat relativ regelmäßig durch. Natürlich mit den üblichen Ausnahmen bei Krankheit, Unwohlsein oder Monstern unter dem Bett. Andere Eltern haben da ganz große Sorgen, weil die Kinder offensichtlich nicht durchschlafen können. Ich scheine dieses Thema unserer Tochter einfach abgenommen zu haben.

Was Schlafmangel mit Kopf und Körper eines Menschen macht, muss ich Euch nicht erzählen. Alle Eltern kennen das Gefühl: Du stehst am helllichten Tag irgendwo an einer Ampel im dicksten Feierabendverkehr und möchtest kurz Deinen Kopf am nächsten Laternenmast anlehnen. Einfach mal fünf Minuten abschalten und das Gewicht des müden Schädels nicht spüren.

Es gibt Tage, da schüttle ich das ab. Dusche, Kaffee ab dafür – aber seit meinem Urlaub gelingt mir das nicht mehr. Ich muss mich zu jeder Aktivität zwingen. Meine Arbeit erledige ich halbherzig, wenn überhaupt. Die Buchhaltung für August will ich schon seit einer Woche machen. Ich habe keine Einfälle, um etwas Neues anzufangen, und wenn mir eine Idee für einen Text in den Sinn kommt, ist sie negativ und larmoyant. So bin ich gar nicht, aber so geht es mir gerade. In Zeiten von seelischen Tiefs geht gar nichts mehr mit Tiefschlaf.

Vor meinem Urlaub gab es ein Ereignis, das mir ein bisschen den Schwung nahm. Eine Leserin von Muttiglueck schrieb mir. Sie wurde in Inhalt und Ton sehr persönlich, dabei kennt sie mich gar nicht. Sie machte mir Vorhaltungen, ich hätte als Bloggerin eine Vorbildfunktion für gesunden Lebenswandel, der ich nicht gerecht werde. Ich glaube, das hat mir ein gutes Stück Motivation abgedreht. Ich möchte das nicht ausbreiten, hatte schon eine bitterböse Erwiderung getippt, aber ich verzichte darauf, sie zu veröffentlichen.

Selbstverständlich stelle ich mir die Frage, warum ich das nicht abschütteln kann? Warum geht mir das so nahe? Natürlich liegt es daran, dass die Gute mein empfindlichstes Thema getroffen hat: mein Übergewicht. Das zu hohe Gewicht, unter dem ich schon als Kind gelitten habe. Das Gewicht, das mein Leben beeinflusst und das ich immer wieder bekämpfe. Gleichzeitig wehre ich mich dagegen, mich von diesem Detail meines Lebens (und ja: es ist nur ein Detail) beherrschen zu lassen.

Seit der Geburt meiner Tochter ist das ziemlich aus dem Ruder gelaufen und ich kämpfe seit einigen Jahren damit, mich wieder in die alte körperliche Form zu bringen – die auch nicht besonders gut war! 😉 Vielleicht nimmt dieser Kampf so viel Platz in meinem Kopf ein, dass ich nicht mehr tief schlafen kann.

Auf jeden Fall ist es erstaunlich, dass so eine Mail, die stilistisch in nicht besonders beeindruckender Form bei mir aufgeschlagen ist, mich so runterzieht. Man könnte das beruhigt als verwirrten Schwachsinn abtun. Das bedeutet doch, dass das Thema für mich präsenter ist, als mir lieb sein kann. Ich glaube, ich habe es einfach satt, die Dicke zu sein. Die bewundert wird, wie souverän sie das macht. Die Leute, die blöd schauen, anspricht. Die mit ihrem Kind trotz fettem Arsch baden geht. Ich glaube, ich brauche diese Reibung gerade nicht. Ich möchte seit bestimmt 30 Jahren (mal mehr, mal weniger intensiv) einfach mal in der Menge untergehen können. Seit sechs Jahren gelingt das wirklich gar nicht mehr. Ich falle auf. Rein optisch. Selbst wenn ich mal ruhig bin oder nicht laut lache.

An der Stelle dieser Erkenntnis hat die böse „Hater-Mobbing-Mail“ etwas Gutes: Sie zeigte mir, dass ich die Situation mir selbst gegenüber verharmlose. Ich leide mehr, als mir klar ist. Letztes Jahr habe ich prima abgenommen, mit viel Freizeit und ohne viele Sorgen. Seit ich mich selbstständig gemacht habe, ging es wieder in die andere Richtung. Das ändere ich jetzt und bin auch schon dabei. Ich nehme ab, ich gehe zum Sport, ich versuche, wieder mehr auf mich zu achten. Wenn es Euch nicht stört, möchte ich gerne das Thema über Muttiglueck weiter beleuchten. Möchte meine Tiefs und Erfolge mit Euch teilen und mir so heimlich Unterstützung holen. Die kann ich brauchen. Keine Sorge, das hier wird kein monothematischer Abnehmblog. Aber ich bin mit dem Anspruch gestartet, realistisch über mein Leben zu berichten und das Thema gehört definitiv dazu.

Also auf geht’s, Nase putzen, Krönchen richten, ab dafür!

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