Auf dem Rückweg aus dem Herbsturlaub auf Kreta nahm im Flugzeug eine kleine Familie neben uns Platz. Zwei Eltern, ein Kleinkind, ein Baby. Die Mama trug hundert Tüten und Taschen als Handgepäck. Zusätzlich hatte sie das Baby in der Trage und das Kleinkind an der Hand. Sie ging voran, fand die passende Sitzreihe und ließ dem Papa den Vortritt ans Fenster. „Damit ich besser an die Sachen komme, sonst musst du immer hoch“, kommentierte sie ihre Platzwahl. Der Start ging gut, die Kinder waren vergnügt und ich dachte mir, dass diese Menschen wirklich glücklich und harmonisch sind.

Im Flugzeug gibt es Lasagne, der Filius findet das zum Kotzen

Während die Flugbegleiterin durch den Gang ging und laut „Warmes Essen! Ich habe Lasagne und Spaghetti im Angebot!“ verkündete, machte sich auf den Plätzen neben uns Unruhe breit. Na ja, was heißt Unruhe. Erst hörten wir Kotzgeräusche, dann folgten leise Schreie, weil der Große die gesamte Familie vollgespuckt hatte. Bitte schließt kurz die Augen und hört die Situation: „Warmes Essen!“, *kotz*. „Ich habe Lasagne und Spaghetti!“, *kotz*, *quiek* – Treffer, versenkt.
Das war schon ein besonderes Szenario. Der Flugzeug – Alltag konnte aber noch ein Schippchen mehr. Mama fragte die Flugbegleiterin ganz bewundernswert ruhig nach einer Tüte und etwas Papier. Als Antwort wies die darauf hin, dass sie jetzt erst mal das Essen anbieten müsse und zog ihres Weges. „Warmes Essen“, „Ich habe Lasagne“, *kotz* und so weiter.

Essen verkaufen geht vor Passagieren helfen- man kann sich nur wundern

Ich war fassungslos und meine Schwester zog aus ihrem Rucksack eine Rolle Küchenpapier und diverse Müllbeutel, die in unserer Ferienwohnung übrig geblieben waren. Mami strahlte glücklich, legte die Familie trocken, tötete nicht die Flugbegleiterin und auch nicht ihren Göttergatten, der Mühe hatte, den einen Job zu machen, den sie ihm zugeteilt hatte – das Baby zu halten. Diesen Job erledigte er so gut es ging, doch Filius #2 begann furchtbar zu brüllen á la: „Vollgekotzt, der Bruder wird bemuttert und ich muss beim Papa auf dem Schoß schaukeln …“ Nachdem die Kollateralschäden so gut wie möglich beseitigt waren, musste die Milchbar raus. Der kleine Mann war nicht anders zu beruhigen. Nebenbei begann sie, dem Großen eine Geschichte vorzulesen. Ihr Mann bot sich als Hilfe an, aber sie wollte wohl nichts riskieren und ich hatte den Eindruck, es war ihr wichtig, alles weiter in der Hand zu behalten.

Flugzeug – Mama, ich fühle Dich!

Ich habe sie gefühlt, die Mama. Wie sie müde und zerrissen war. Wie sie sich immer wieder umschaute, als der Kleine bei der Landung noch einmal sein volles Stimmvolumen präsentierte und die Menschen ringsherum unruhig wurden. Ein älterer Mann hinter uns begann leise zu meckern und meine Tochter erkundigte sich laut, ob das Baby so laut schreien müsse. Ich erklärte ihr liebevoll, aber mit meiner lautesten Stimme: „Jeder Mensch in diesem Flugzeug ist, als er klein war, mal allen anderen furchtbar auf die Nerven gegangen. Am Anfang kann ein Mensch einfach nur auf diese Weise ausdrücken, wenn er sich nicht wohlfühlt. Also darf sich niemand über Babys beklagen, schließlich waren wir alle mal so klein.“ Da war Ruhe, auch auf den Plätzen hinter uns. Die Babymama schaute mich dankbar an.

Ich war plötzlich völlig emotional. Wie sehr ich sie gefühlt habe. Wie sehr alle peinlichen oder unangenehmen Sequenzen aus meinem Leben als Babymama wieder präsent waren. Wie sehr ich ihr helfen wollte. Wie sehr ich die Flugbegleiterin anschreien wollte und den Herrn hinter mir – das glaubt mir keiner.

Als wir hinterher im Auto waren, erzählte ich meinem Mann die Geschichte. Wir lachten über unsere eigenen Storys von vollgekotzten Möbelhausrestaurants und plötzlich sagt er: „Weißt du, wen ich wirklich fühle? Den Babypapa. Der durfte gar nicht helfen. Sie hat alles gemanagt, auch wenn es ihr sicher zu viel war. Wenn er was gemacht hat, war es falsch – auch weil die Kinder daran gewöhnt sind, dass Mama zuständig ist. Diese Rolle habe ich auch oft bei uns. Das ist bequem für mich, aber es fühlt sich nicht gut an.“ Ich musste ihm Recht geben und ich kenne dieses Verhalten nicht nur von mir, sondern auch von vielen anderen Müttern.

Sind wir nicht alle ein bißchen wie die Flugzeug – Mama?

Ich denke, manchmal sind wir Mütter so darauf konzentriert, alles zu „wuppen“, dass wir nicht nur uns selbst vernachlässigen. Manchmal stellen wir uns selbst ein Bein. Trauen uns nicht, etwas abzugeben. Vertrauen nicht genug darauf, dass unsere Männer, Frauen, Tanten, Geschwister, Mütter es auch einfach gut machen. Fragen uns nicht, ob es egal ist, mit welcher Wischtechnik Kotze beseitigt wird. Bestehen auf den Gangplatz, um alles im Griff zu haben. Ich habe mir wieder einmal vorgenommen, daran zu arbeiten. Auch weil mir dann, wenn wir das nächste Mal so eine Katastrophe erleben, Zeit bleibt, die Flugbegleiterin anzuschreien.. falls sie sich so unmöglich verhält. 😉

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