Ich spinne ja manchmal total. Dann sitze ich auf meinem Balkon, starre die Wolken an und verfluche mich. Solche Tiefphasen sind Gott sei Dank selten und sie treten nicht monatlich auf, können aber durchaus hormonell bedingt sein. Ihr wisst schon …
Letztens, als wirklich alles schiefging und ich mich klein, dick und unfähig fühlte, dabei bin ich absolut nicht … unfähig, kam mir ein Gedanke.

Was wäre, wenn man einfach mal einen Tag in eine andere Haut schlüpfen könnte? Nur für einige Stunden jemand anderes?

Ich wollte schon immer eine aufregende, extravagante Schönheit sein. So eine Frau mit einem Geheimnis. Ist mir nie gelungen. Ich war immer eher eine nette, runde Blonde, die ihr Herz auf der Zunge trägt und kein großes Brimborium um sich selbst macht.
Ich überlegte sehr selbstkritisch, wie ausgerechnet mir das mit der extravaganten Schönheit gelingen sollte. Extravagant, na gut. In München reicht es für einen Haufen Aufmerksamkeit in der U-Bahn aus, wenn man grüne Hosen, lila Strümpfe und keine Louis-Vuitton-Handtasche trägt. Diese Blicke bin ich gewohnt, wenn ich mich todmüde und ohne Licht angezogen habe. Es ging ja hier mehr um mein Gefühl. Einmal nicht die müde Muddi sein. Einmal in einer Verkleidung auftreten, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sein würde.

Welche Veränderung könnte zu diesem “jemand anderes” Gefühl beitragen?

Der heiße Ledermini und bauchfrei schied bei mir aus. „Bitte kleiden Sie sich für den Körper, den Sie haben. Nicht für den, den Sie wollen“ ist mein Motto.
Mega-Plateauschuhe, Sonnenbrille und den Laptop unter dem Arm? Diese Idee habe ich nach einem Probelauf in der Fußbekleidung aus meiner Studentenzeit verworfen. Wie zum Geier bin ich auf diesen Schuhen unfallfrei durchs Leben gekommen?

Schon toll, oder?

Maria-Hellwig-Gedächtnis-Dirndl und ab in den Biergarten? Das war eigentlich eine gute Idee, die allerdings nur in Kiel wirklich irgendwie extravagant wirkt. Also auch nicht zielführend.

Dieses Bild habe ich nur eingefügt um zu zeigen, dass ich mal eine Taille hatte, zumindest ansatzweise 😉

Jemand anderes, wie zum Beispiel Milva

Ich machte mir Gedanken, welche Frau denn diese geheimnisvolle, extravagante Wirkung auf mich hat und kam auf Milva. Erinnert Ihr Euch an Milva? Die aufrechte, italienische Chanson-Sängerin? Langes, rotes Haar, nicht wahnsinnig schön, aber immer aufregend? Die fand ich schon als Kind ganz toll. Das Ding an Milva waren (oder sind) ihre langen, roten Haare.

“Jemand anderes sein” kommt mit der Post

Es war mir klar, dass ich nicht wie Milva aussehen würde, nur weil ich mir eine rote Langhaarperücke kaufe. Wäre ja auch zu einfach, wenn mein „Lieblings-Karnevalsausstatter“ nicht nur für Spaß, sondern auch für meine allgemeinen Lebenstiefs immer eine Lösung parat hätte.Als die Perücke ankam, saß ich erst mal einige Minuten vor dem geschlossenen Paket. In diesem Fall mal nicht, weil ich vergessen hatte, was ich bestellt hatte, sondern weil ich echten Respekt vor meinem eigenen Wahnsinn hatte. Im inneren Dialog mit mir erklärte ich mir zunächst, dass solche Albernheiten nicht nur Geld und wertvolle Zeit kosten, sondern dass man von einer Frau in meinem Alter nun wirklich erwarten könne, sie selbst zu sein. Ohne so ein Gedöns. Mein innerer Teenager riss sofort trotzig das Paket auf und brüllte vor Lachen. Wunderbar. Die Perücke passte und zu Hause vor dem Spiegel fühlte sich die Idee wunderbar an.

Huch, was macht Milva in meinem Bad und warum ist sie plötzlich so unfassbar jung und schön?!? 🙂

Verrücktheiten brauchen ein bißchen Mut

Als ich mich fertiggemacht hatte, fühlte ich mich allerdings eher wie eine Art Dirk-Bach-Dragqueen … Aber ich beschloss, dass auch das durchaus ein geheimnisvoller Auftritt sein kann und ging in Richtung U-Bahn.
Meinen kleinen Ausflug habe ich für Euch in einigen Bildern dokumentiert – mir fehlen selbst die Worte. 😊

So ein Bild hatte Milva sicher mal als Plattencover!

Mein Freund der Turm

Ich habe in der UBahn jemand getroffen, der so aussieht wie ich. Mega.

Nicht man selbst zu sein, eröffnet viele Möglichkeiten…

Wie war es nun jemand anderes zu sein?

Tja und nun, gibt es ein Resümee? Ehrlich gesagt war es einfach unfassbar komisch. Ich fühlte mich total fremd und albern, aber albern ist ja auch ganz oft gut. Ich sollte viel öfter meine Selbstzweifel einfach weglachen. Wenn das nur mit einer Perücke geht, dann ziehe ich noch häufiger so los. Man ist nie zu alt für irgendwas – schon gar nicht dafür, sich selbst zum Affen zu machen. Jede Erfahrung die man im Leben macht, ist für etwas gut und sei es dafür, mal wieder ein bisschen locker zu werden. Also hopp, macht Euch locker. Wenn ihr mehr von Muttiglück lesen wollt, könnt ihr mir auf Facebook oder Instagram folgen, dann erfahrt ihr immer von neuen Beiträge

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