Im Gespräch mit so ziemlich jeder Frau, die ich kenne, kommen wir auf die Krankheitsgeschichten der Männer. Aber obwohl die Überschrift „Das Leiden der Männer“ genau dieses Thema nahelegt, möchte ich weiter ausholen. Trotzdem kann ich nicht darauf verzichten, Euch meinen Lieblingswitz zum Thema Männerschnupfen zu gönnen:

„Ich habe Grippe und meine Frau schickt mich allein zum Arzt, anstatt mir den Pfarrer ans Bett zu bestellen. Das herzlose Miststück.“

Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Oder Ladies? 😊

Das Leiden der Kollegen

Ich bin selbst verheiratet und betrete mit diesem Text eheliches Glatteis. Darum sei an dieser Stelle unbedingt erwähnt, dass ich explizit NICHT über meinen Mann schreibe. Mein Mann ist cool, sonst würde er mich nicht seit vielen Jahren an seiner Seite aushalten.

Das bringt mich zu meinem ersten Punkt. Ja, ich bin eine wirklich starke Frau. Ich bin ziemlich selbstbewusst, eher klug als schön, tatsächlich schnell und schlagfertig. Diese Attribute haben mir im Berufsleben immer weitergeholfen. Es gab kaum einen Mann, der versucht hätte, mich nicht ernstzunehmen oder mich nicht auf Augenhöhe zu behandeln. Bis zu einem gewissen Punkt. Nämlich dem Punkt, an dem einige Kollegen den Transfer zwischen Frau und Kollegin nicht mehr schafften. Nicht nur einmal haben mir Männer mitgeteilt, dass sie mit mir nicht verheiratet sein wollen oder dass es sicher eine komplizierte Sache ist, mit mir verheiratet zu sein. Seltsam, oder? Wer würde das zu einem männlichen Kollegen sagen? Wer würde das Auftreten eines Mannes im Berufsleben für seine ausschließliche Persönlichkeit halten? Diese Kollegen scheinen quasi mit meinem Mann mitzuleiden, der eine Frau hat, die Wert darauf legt, ernst genommen zu werden. Bitte was? Ihr könnt Euch beruhigen, Jungs: Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Natürlich ist auch die Basis unserer Ehe Liebe, Verständnis und Kompromissfähigkeit auf beiden Seiten. Da geht es sich nicht darum, sich durchzusetzen. Aus meiner Sicht galt für Männer in meinem Leben immer das Fisherman’s Prinzip: „Bin ich zu stark, bist Du zu schwach.“ Ich habe mir viel Zeit gelassen, den Mann fürs Leben zu finden. Ich habe drei Heiratsanträge abgelehnt. Aus Gründen.

Das laute Leiden

Montagmorgen im Büro: Mindestens ein Mann berichtet in blühenden Farben, wie viel er am Wochenende geleistet hat und wie er darunter jetzt noch leidet. Mögliche Leistungen sind sowohl im Bereich Sport wie auf dem weiten Feld des übergroßen Alkoholgenusses zu finden. Sollte beides nicht zu hören sein, dann kann man sich zumindest darauf verlassen, dass ein großes Heimwerkerprojekt oder Ähnliches die Fitness trübt.

Die fünfjährige Tochter einer Freundin bedauert ihren Papa jedes Mal, wenn er wieder arbeiten muss. Bei Mama ist sie auf die Idee noch nicht gekommen … Woher sie das wohl hat?

Lautes Leiden muss aber nicht immer akustisch vernehmbar sein. Man kann auch laut schweigen. Kürzlich traf ich eine Bekannte, in Begleitung ihres Mannes, beim Einkaufen. Nach einem kurzen Gespräch nahm sie mich zur Seite und sagte: „Bei meinem Mann gibt es heute nur Bild, keinen Ton. Er hatte gestern Nachtschicht und ich habe ihn geweckt, damit er mit mir einkaufen kommt. Ich wollte das nicht allein machen, weil ich gleich zur Arbeit muss. Wann verstehen die, dass wir alle gleich sind?“

Am Ende muss man zu diesen Dingen sagen, dass die Kerle einfach so sind. Ich würde das nicht ändern wollen, schmunzle häufig darüber und es sind nur Kleinigkeiten, auch wenn wir Frauen uns so gerne darüber aufregen.

Darunter leidet die Welt

Es gibt allerdings Dinge auf dieser Welt, zwischen Männern und Frauen, die sind für mich unfassbar und ich bin zunehmend frustriert über diese Zustände.

Wie kann es passieren, dass ein Mann, der sich damit brüstet, Frauen sexuell zu nötigen, US-Präsident wird? Was stimmt nicht mit den vielen tausend Männern und Frauen, die u. a. die Tatsache des extrem sexistischen Umgangs von Donald Trump mit seiner Gegenkandidatin ignorieren:

“Wenn Hillary nicht einmal ihren Mann befriedigen kann, wie kommt sie dann dazu zu glauben, dass sie Amerika befriedigen kann?” (Zitat Donald Trump)

Oder die Tonbandaufnahmen, auf denen ganz klar zu hören ist, wie Trump sich damit brüstet, fremden Frauen in den Schritt gegriffen zu haben, was als harmloses Gespräch zwischen Jungs abgetan wird. Im ersten Impuls bin ich unfassbar sauer auf die Frauen, die so ein ekelhaftes Vieh von einem Mann wählen und sein Verhalten entschuldigen. Bei näherer Betrachtung ist das natürlich Quatsch. Warum ist es verständlicher, wenn Männer ihn wählen? Weil sie einen Penis haben? Dem Mann der mir zeigt, wie er mit seinem Geschlechtsteil einen Wahlzettel ankreuzt, bügle ich eine Maschine Oberhemden.

Männer leiden unter der #metoo-Bewegung

Was kümmert mich die USA, könnte man fragen. Bei uns in Deutschland sind die Verhältnisse doch ganz anders. Wir haben seit Jahren eine Frau als Regierungschefin. (Die von den lieben Kollegen „Mutti“ genannt wird. Nun…)

Ich saß kürzlich im Zug und konnte dem Gespräch einer Männerrunde lauschen, aber nicht so ganz folgen, die sich über die #metoo-Bewegung unterhielt. Die Kernfrage, warum denn Frauen erst nach Jahrzehnten über die üblen Geschichten in ihrem Leben berichten, beschäftigte die Herren. Dass man ja zukünftig nichts mehr sagen und tun dürfe, was eine Frau auch nur annähernd falsch verstehen könnte. Da könnte ja jetzt jede Frau eine Lappalie zu etwas aufblähen und damit das Leben eines Mannes massiv beeinflussen. Dass junge Männer unter diesen Zuständen, die da entstehen, ihr Leben lang zu leiden hätten – das war die Angst, die sie beschäftigte.

Laut zu brüllen hätte selbst meinen Peinlichkeits-Rahmen gesprengt. Ihnen entgegenzuschreien, dass Frauen exakt deshalb so oft erst nach Jahren etwas sagen, weil sie nicht wollen, dass man so über sie spricht. Dass sie nicht das anzügliche Gesprächsthema sein wollen oder ernsthafte Konsequenzen für ihr Leben befürchten müssen. Hilft ja auch nichts zu brüllen.

Die ältere Dame neben mir räusperte sich und sagte: „Ja, es ist wirklich schlimm für die jungen Männer. Die müssen, obwohl sie Väter und Opas wie sie haben, verstehen, dass Frauen Menschen sind, die einen Willen haben. Die körperlich und seelisch unbehelligt sein möchten. Die anziehen wollen, was sie mögen. Die sich nachts allein in der U-Bahn sicher fühlen möchten. Es ist wirklich ein unwürdiges Kasperletheater, dass sich das jetzt ändern soll.“

Dann fügte sie hinzu: „Ach übrigens, um ihnen da mal zuvorzukommen: Ich glaube fest daran, dass es auch Frauen gibt, die dabei übertreiben oder lügen, um im Mittelpunkt zu stehen. Frauen sind nicht das bessere Geschlecht, nicht das stärkere, was auch immer. Frauen sind einfach genauso gut, ehrlich, nett oder blöd und verlogen wie Männer. Gleichwertige Menschen halt.“

Da war Ruhe. Bei den Männern und bei mir.

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