Weihnachtszeit? Mama ist zuständig

Ja sicher sind sie schön, die vielen Lichter in der Weihnachtszeit. Tausende elektrische Birnen, die uns aus den Wohnzimmern der Nachbarn, aus Vorgärten, von Balkonen und neuerdings auch aus Autofenstern entgegen blinken.

Einige Wohnzimmer funkeln dann in so vielen Farben und Mustern, dass sich ein friedlicher Fernsehabend darin mutmaßlich anfühlt, wie eine Luftschlacht auf der Brücke vom Kampfstern Galaktika. Ohne fühlbare Erschütterungen natürlich, dafür mit reichlich Kontrollleuchten, die Gefährdungslagen anzeigen.

Mein Mann äußerte sich gestern besorgt, dass ein Flugzeug neben unserem Haus landen könnte, weil am Balkon so viele Positionslichter angebracht sind. Wie auf einer Landebahn… nun gut. Aber eigentlich sind sie schön, die vielen Lichter.

Hand aufs Mutterherz. Wer kümmert sich darum zur Weihnachtszeit? Wer steigt in den Keller, entwirrt Kabel, montiert das staubige Zeug, sucht verzweifelt nach Verlängerungskabeln und kauft Nachschub? Mutti macht das!

Gut, das mit dem Keller erledigt mein Mann, seit ich vor zwei Jahren begonnen habe permanent davon zu erzählen, dass mein Kellerschlüssel irgendwie weg ist. Seitdem ist die Verwaltung und Ausgabe der Kellergegenstände in seinen Zuständigkeitsbereich gewandert, aber das ist eine andere Geschichte.

Mama, das Outlook des Weihnachtsmannes

Unfassbar gemütlich ist es zur Weihnachtszeit, irgendwie hockt man andauernd in Begleitung von netten Menschen bei Punsch und Plätzchen oder steht auf Weihnachtsmärkten herum. Elterncafé im Kindergarten, Weihnachtsfeier beim Kinderturnen, Nikolausplätzchen backen mit dem Gesangsverein, Oma und Opa kommen zum Adventskaffee, Bude putzen und den geschenkten singenden Engel vom Vorjahr suchen. All das steht auf der To do Liste.

Zusätzlich sind folgende Termine zu verwalten: Weihnachtsmarkt mit der besten Freundin, den ehemaligen Kollegen, der Familie. Zweimal Weihnachtsfeier mit den Kunden und natürlich, wann mein Mann mit Kollegen feiern geht, damit wir nicht parallel weg sind und einen Babysitter brauchen. Der hat nämlich keine Zeit im Advent – zu viele Weihnachtsfeiern.

Am zweiten Advent wollen wir verreisen, am dritten den Baum im Wald holen, ja bitte, im Wald selber fällen, das war immer am schönsten.

Das Kind will jeden Abend in die Kirche zum Adventssingen, denn da wird täglich Schokolade verteilt. Gibt ja auch sonst nix…verständlich. Klar bleibt der Termin in Mamas Hinterkopf.

Ich muss eigentlich nicht fragen, wer sich um diese vielen Termine in anderen Familien kümmert. Mutti behält das im Kopf oder führt Buch darüber. Ist doch klar.

Sogar meine Angst vor dem Backofen muss ich in der Weihnachtszeit überwinden

Ich hasse backen! Aber naja, Plätzchen wollen wir schon backen, nicht so einfach, sondern mit Ausrollen und Förmchen, an denen der Teig klebt wie Kaugummi am Schuh.

Wir wollen die ganze Küche mit Mehl bestäuben und mit Zuckerguß bekleckern, ach das ist so schön.

Wie früher, als unsere Mama mit uns gebacken hat. Nur da hat auch SIE am Vorabend nach der Arbeit den klebrigen Teig verknetet und die Küche vor und nach dem Backen sauber gemacht. Und wenn sie verbrannt sind, die Plätzchen, weil Mama gerade damit beschäftigt war, die Einkaufsliste für Heilig Abend zu schreiben, haben wir gelacht und mein Vater hat gesagt, „Da muss man halt daneben stehen bleiben, wenn man was im Ofen hat!“ und sie fragte leicht gereizt zurück: „Und, hast Du das gemacht?“.

Damals war sie irgendwie noch schöner, die Weihnachtszeit.

 „Wie, Mama, das Förmchen taugt nichts? Das hast Du mir letztes Jahr in den Adventskalender getan!“

Die mütterliche Weihnachtszeit ist auch deshalb ein Arschloch, weil sie ab Mitte Oktober auf uns zurollt. Mit Geschenkeorganisation, Powershopping und Besuchsplanung.

Schaffe ich es wieder, dem Kind einen selbst gemachten Adventskalender zu schenken? Das war letztes Jahr so nett und ich habe auch immer eine Kleinigkeit für meinen Mann dazu gelegt. Weil der sich auch freut und weil es so schön ist, wenn die beiden etwas auszupacken haben.

Ich? Nein, ich habe seit Jahren keinen Adventskalender bekommen. So viel Süßes ist ja eh nicht gut.

Eine Weltreise zu organisieren, ist sicher weniger komplex

Welchen Teil der Freunde und Familie besuchen wir wann in der Weihnachtszeit oder lieber nicht und wenn nein, warum nicht? Können wir es uns und dem Kind zumuten, für drei Tage 2000 Kilometer mit dem Auto zu fahren? Müssen wir zur Uroma und kann die betagte Tante Weihnachten denn alleine bleiben?

Welche Verwandten lassen sich auf keinen Fall kombinieren, es sei denn, man möchte das eigene Weihnachtsfest direkt auf dem Altar des gemeinsamen Genpools opfern?

Muss man denn eingeladen sein, oder seinerseits einladen? Oder ist es selbstverständlich, dass man jederzeit wechselseitig einfach spontan seine Ankunft am nächsten Dienstag verkündet. Mal im Ernst – wer will das?

 

Wer bekommt welches Geschenk von wem?

Wie lässt es sich diplomatisch verhindern, dass das Kind mit allerlei buntem, aber völlig unnützen Spielzeug überschüttet wird, wir die Skiausrüstung aber wieder selber kaufen müssen?

Für alle Freunde und Verwandten die fragen, was sie Mutter, Vater, Kind schenken können, legen ich gerne eine umfangreiche Wunschliste bei Amazon an.

Natürlich decke ich verschiedene Artikelgruppen und Preisspannen pro Person ab, soll ja jeder etwas finden. Die zwei Stunden müssen schon drin sein, damit niemand grübeln muss. Aber natürlich besorge ich auch total gerne Geschenke in Eurem Namen und packe die dann noch schnell ein. Kein Thema!

Und sicher steht Mutti auch gerne nebenbei zur Verfügung, um als zentrale Ansprechpartnerin für die Geschenkelogistik der Gesamtfamilie zu dienen. Einer muss das ja alles im Kopf haben.

Das Finale der wunderbaren Weihnachtszeit

Wenn am 24. Dezember viele Männer Vormittags noch mal kurz in der Stadt verschwinden, weil Weihnachten so unfassbar spontan in den Monat gesprungen kam, ist Mama vom „die letzten frischen Sachen einkaufen“ zurück, natürlich erledigen wir das um acht Uhr morgens, da sind die vielen Leute, die befürchten nach Weihnachten gäbe es niemals mehr etwas zu essen, noch im Bett und die Kassenschlangen noch kurz.

Mein Mann ist da meistens eine rühmliche Ausnahme, er kauft die letzten Geschenke weitsichtig bereits am 23. Dezember und hat an Heilig Abend Zeit mit anzupacken.

Dann schmücken wir den Baum, die ersten zehn Minuten ist das Kind hoch motiviert dabei zu helfen, der Mann findet nach einer Stunde, es seien genug Kugeln jetzt und erkundigt sich, ob das eigentlich jedes Jahr mehr würden? Ich verweise traditionell darauf, dass ja jedes Jahr auch welche kaputt gingen und besorge nach Weihnachten heimlich größere Kisten.

In der Küche stehen polierte Gläser, letztes Jahr habe ich das mal gelassen und die billigen genommen, es gab prompt eine wenig nette Rückmeldung.

Der Sekt steht seit acht Uhr morgens kalt, der Vogel ist im Ofen oder der Kartoffelsalat ist fertig, je nach Konfession und Laune. Die Geschenke sind verpackt und im Schlafzimmer liegen Papier und Tesafilm bereit. Gut, dass ich schon vor Beginn der Weihnachtszeit daran gedacht habe, damit alle Gäste noch schnell ihre Sachen einpacken können.

Wenn in deutschen Familien um kurz vor 13 Uhr die Frage auftaucht, ob Mama auch daran gedacht hat, dass Papas Onkel Eberhard zu Weihnachten immer Bier trinkt, atmet sie irgendwie schwer und hält sich an der Kühlschranktür fest. Aber sonst ist alles gut, Bier steht schon kalt.

Um 15 Uhr ist der Kindergottesdienst. Danach kann es endlich losgehen mit der Bescherung.

Ich HASSE den Kindergottesdienst, anfangs bin ich tatsächlich nicht mitgegangen, aber seit meine Tochter größer geworden ist, traue ich mich nicht mehr zuhause zu bleiben. Geht ja nicht, so ein Verhalten als Mutter und irgendwie gehört Weihnachten ja auch den Kindern.

Jedes Jahr wollte ich lieber nachts noch in die Christmesse, in Ruhe und Besinnlichkeit, unbeobachtet vor Rührung heulen bei „Stille Nacht“. Ich war aber einfach zu müde nach der ganzen Feierei. Komisch.

Bleibt die Frage:

Darf ich auch in der Weihnachtszeit „Nein“ sagen, wenn jemand etwas von mir will, was ich unmöglich finde?

Ja, darf ich immer und jederzeit. Muss ich nur mal lernen. Und wenn sich jemand blöd verhält, darf ich das auch sagen. Und wenn dann irgendwer aus Familie oder Freundeskreis beleidigt ist, dann ist das halt so. Auch an Weihnachten. Davon geht die Welt nicht unter. Auch bei Euch nicht, liebe Muttis. In diesem Sinne- ich wünsche Euch eine fröhliche Adventszeit. Ach ja, bitte dran denken, Onkel Eberhard trink nur Bier!

 

 


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