Meine liebe Freundin Mimi schreibt für uns eine wunderbare Geschichte über das Pupsen!

Danke, Mimi.  

Wer Mimi ist und welche Geschichte sie zu uns gebracht hat, erzähle ich Euch bald mal… heute konzentrieren wir uns erstmal auf die Körperwinde oder Flatulenzen, die das Familienleben irgendwie bereichern. 🙂

Vom Pups, von Mama und von Papa

Neulich waren wir wieder bei Leo und seiner Familie zu Besuch. Leo ist gerade fünf geworden, seine Eltern sind Sabine, die Erzieherin und Jochen, der Steuerberater. Alle drei wohnen zusammen in München und Sabine bekommt bald noch ein Baby. Deshalb wurde gefeiert.

Dabei kam das Gespräch am Kaffeetisch auf so eine Sache.

Eine Sache, über die keiner gerne spricht und die Leo nicht versteht.

Leo hat da nämlich was beobachtet: „Papa pupst, Mama pupst nicht. Was issn da los?“

Er erklärt: „Wenn Papa manchmal Spaß macht, sagt er, ich soll an seinem Finger ziehen und wenn ich das mache, pupst er ganz laut. Und dann lachen wir beide dolle. Und manchmal pupst Papa auch einfach so, ohne das Fingerziehspiel. Dann schimpft Mama und macht das Fenster auf. Selber pupsen muss Mama aber nie. Bei Mama muss ich auch nie irgendwo dran ziehen und sie stinkt nie das ganze Wohnzimmer voll. Also glaube ich, dass Mama nicht pupsen muss.“

Darüber wundert sich Leo. Er muss doch auch manchmal pupsen!

Also nimmt Mama Leo auf den Schoß und erklärt ihm, wie die Frauen sind: „Guck mal Leo, wir sitzen elegant auf einem Stein, so wie die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen, wo wir neulich im Urlaub waren. Erinnerst Du Dich? Unsere Haare wehen dann hübsch im Wind und unsere Haut duftet nach Veilchen. Und auf so einem Meerjungfrau-Stein da wird nicht gepupst. Niemals. Das müssen wir nicht.“

„Musst Du das echt nie, Mama?“

„Na gut“, gibt Mama zu „das muss ich schon auch manchmal. Aber dann nur auf der Toilette und nur ganz leise. Und es riecht auch nicht schlimm. Ehrlich.“

Sabine wird ein bisschen rot. Wegen der vielen Lügen.

Jochen hat derweil in seinem Smartphone gekramt und ein Meme gefunden. Er zeigt es herum. Es ist ein Bild von einem Einhorn mit Furzwölkchen und darunter steht: „Frauen pupsen nicht. Sie schiessen kleine Glitzerwölkchen raus, die wie das Lachen eines Einhorns klingen und nach Regenbogen duften.“

Das träfe es doch ganz gut, sagt Sabine und dann muss sie lachen.

Wir Frauen sind so.

„Gschamig“, sagen die Bayern.

Aber warum sind Frauen so?

Und Männer nicht?

Wir Frauen verhalten uns wie das bekannte Über-Einhorn Carrie Bradshaw in einer ziemlich alten Folge der ziemlich alten Serie „Sex and The City“:

Die meisten von uns würden sich lieber entleiben, als unseren Partner einen Pups hören lassen. Der dann auch noch so übel stinkt wie ein Männerpups.

Als Carrie das im Bett neben ihrem Mr. Big passiert, ist die Scham-Oper, die sie danach aufführt (Decke über den Kopf, rot werden, hysterisch lachen, sich entschuldigen, sich nochmal entschuldigen, usw.) eigentlich das Schlimmste.

Warum sind wir Frauen so blöd? Warum darf Leo nicht an unserem Finger ziehen und wir lassen einen echt lauten Stinker fahren und lachen dann zusammen da drüber? Geben Sie es zu: Sie haben sich schon beim Lesen dieses Szenarios geschämt. Ich mich auch. Beim Schreiben.

Trotzdem kaufen wir tapfer Kinderbücher, die „Der Furz“ heißen oder „Fritz Frosch pupst“. Weil wir unsere Kinder nicht auch zu nervösen Klemmis machen wollen. Und was passiert, wenn diese Bücher im Haus sind? Sie werden ganz schnell zu Lieblingsbüchern von Leo und Jonas, von Nina und Nelly.

Weil Kinder Pupsen dufte finden, weil Kacka, Pipi und Stinken Spaß machen.

Auch, weil Mama dann immer so komisch guckt.

Wenn Sabine also ein bisschen verklemmt ist in dieser Sache, dann könnte sie doch eigentlich von Papa Jochen lernen.

Also, muss Jochen jetzt sagen, warum er mit dem Pupsen kein Problem hat.

Jochen überlegt.

„Also generell gilt: Das Ganze ist ein Familiending. Das Thema gibt es nur in der Familie. Ich bin zwar ganz entspannt beim Pupsen, will aber auch nicht, dass da draußen plötzlich alle in der Gegend rumfurzen und dann stinkt die ganze U-Bahn. Es ist schon okay, das in der Öffentlichkeit zu vermeiden und diskret hinter sich zu bringen oder zu unterdrücken.“

Aha. Und was ist Zuhause anders?

„Hm.. zuhause, da will ich mich entspannen und mir keine Gedanken über Konventionen machen müssen. Und zum Entspannen gehört es eben, dass man pupst, wenn man muss. Laut oder leise oder stinkend, ganz egal.“

Aber manchmal feiert ihr Männer das doch richtig, oder? So wie mit dem Fingerziehspiel?

„Klar, das macht uns Spaß. Wir freuen uns über dröhnende Pupse, die ordentlich müffeln. Da ist uns dann was gelungen! Das ist glaube ich was Archaisches. Aus der Höhlenmenschenzeit. Und wenn Sabine sich aufregt, dass ich gepupst habe, und sie ist ja nicht wirklich böse, sondern eher empört… dann animiert mich das, das nächste Mal erst recht in dem Raum zu pupsen, in dem sie gerade sitzt. Damit ärgere ich sie. Das würde ich natürlich nicht machen, wenn wir erst ein halbes Jahr zusammen wären.“

Aha! Der Pups markiert also eine Grenze?

„Genau! Der Pups setzt eine Grenzmarke in der Liebe. Wenn man sich das traut, ist man sich rundum vertraut. Das Frauen sich dann trotzdem noch lange nicht trauen, verstehen wir Männer nicht. Wir wissen doch, dass ihr es auch machen müsst.“

Viele Frauen wollen wahrscheinlich lieber eine hübsche Meerjungfrau bleiben und bloß nicht eklig sein.

„Dazu kann ich nur sagen: Gewöhnt Euch das ab. Am Schönsten ist es doch, wenn man pupsen kann und sich dafür nicht schämt voreinander. Wir sehen Euch deshalb nicht in einem anderen Licht.“

Das mit dem Voreinander-Pupsen erinnert Jochen plötzlich an seine eigene Kindheit. Dass seine Mutter und sein Vater früher ungeniert gefurzt hätten, daran kann er sich nicht erinnern. Damals war sowieso alles ein bisschen steifer. Ganz anders aber bei Oma und Opa…

„Als Kind war ich mal total schockiert. Ich habe damals das erste Mal bei meiner Tüdel-Oma und meinem Tüdel-Opa übernachtet. So haben wir die genannt, weil sie „Tüdlinger“ mit Nachnamen hießen. Am Morgen sind wir alle wach geworden und die beiden lagen noch im Bett und haben gleich angefangen zu pupsen. Alle beide! Nebeneinander! Und sie wussten, dass ich es höre. Aber das war ihnen piepegal. Ihr Motto war: In der Frühe muss man halt pupsen. Also raus damit. Und die waren richtig laut dabei. Sie haben getrötet und geschnarrt und geknattert. Als Kind fand ich das total angenehm und sehr befreiend. Dass man das darf!“

Leo lacht. Das mit dem Tröten und Knattern findet er super. Pupse machen total verschiedene Geräusche, das ist ihm auch schon aufgefallen.

Leo sagt: „Manchmal grinst Papa auch, wenn Mama und ich schreien, dass man nicht ins Badezimmer gehen kann, weil er es vollgestunken hat. Dann sieht er ganz stolz aus.“

„Na, was soll ich denn auch machen?“ fragt Jochen und setzt eine Unschuldsmiene auf.

„Na, das Duftspray nehmen!“, sagt Sabine und schüttelt den Kopf.

Wir haben uns dann an diesem Nachmittag noch ein paar Gedanken gemacht. Darüber, warum man seinen eigenen Gestank nicht unangenehm findet sondern eher interessant. Und warum man denkt: Boah, das stinkt aber fies und dabei ein Grinsen im Gesicht hat.

Und ja, auch Frauen grinsen. Wenn sie alleine sind.

Zum Schluss spielt Jochen uns ein Lied vor, das er schon als kleiner Junge super fand. Es gibt ja nicht viele Songs übers Pupsen, die Rolling Stones zum Beispiel haben noch nie darüber gesungen. Die Erste Allgemeine Verunsicherung aus Östereich aber schon. Ihr Lied übers Furzen heißt: „Einer geht um die Welt“

Sie singen: „Willst du ihn auch unterdrücken, brauchst du dich doch nur zu bücken…und schon: huuuiii!“

Und bei „Huuuiii!“ hat Leo immer die Arme hochgerissen und wir haben alle gelacht.

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