Also wenn mich etwas nervt, dann sind es die ausgeleierten Klischees über menstruierende Frauen. PMS, das böse Ding. Schlecht gelaunt und reizbar, zu emotional und jenseits von belastbar. Alles wahr. Zumindest bei mir. Geht es Euch auch so, immer wieder? Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass wir das unser Leben lang mitmachen müssen.

Ich habe mal einen echten PMS Tag aufgeschrieben. Mein Mann findet den Text übrigens kein bißchen lustig. Bestimmt weil er das so regelmäßig aushalten muss. 😊:

Sowie ich die Augen öffnete, nahm das Drama dieses Tages seinen Lauf. Ich schaute durch schmale, verkrampfte Sehschlitze und hörte nicht nur die verdammten Vögel in der Frühlingssonne singen, ich sah auch noch Mann und Kind, die es gewagt hatten, mich ausschlafen zu lassen. Ich war zwar die halbe Nacht wach gewesen, aber trotzdem habe ich doch das gute Recht zu entscheiden, mit der Familie aufzuwachen. Da muss sich niemand wundern, wenn die Laune schlecht ist. Den ganzen Tag!

Zum Frühstück blieb ich bei meinem alten Ritual, mir Kaffee auf das Shirt zu kleckern. Und Frau Tochter schaffte es zusätzlich, ihre Marmelade auf meinem Schoss zu platzieren. Ich war ein bisschen stolz, nicht rumgemeckert zu haben. Allerdings konnte ich auch sehen, dass die Kleine mein finsteres Gesicht mit Sorge betrachtete. Auch mein Mann schien irgendwie einen eingezogenen Kopf zu haben. Beides hat mein Temperament gezügelt.

Im Kindergarten wurde ich darauf hingewiesen, dass ich die einzige Mutter sei, die sich noch nicht in die „Kuchen-Liste“ für den nächsten Tag eingetragen hatte. Ich erwiderte, wenn sich alle eingetragen hätten, gäbe es ja sicher bereits genug Kuchen, und suchte das Weite.

Auf dem Weg zur Arbeit nahm ich mir zunächst zehn Minuten zum Atmen auf dem Parkplatz. Das entspannt mich normalerweise. Ich erinnere mich dann an einen Meditationskurs, den ich als Studentin absolviert habe. Warum ausgerechnet ich als Bummelstudentin mit wenigen Pflichtvorlesungen, ewig langen Tagen und Nächten, finanziert von einem lukrativen Nebenjob, Interesse für Meditation hatte, ist mir heute schleierhaft. Aber egal – wie man sieht, lernt man ja fürs Leben. Ich machte zwei gute Entspannungsübungen und fuhr los.

Direkt auf dem Parkdeck hinter unserem Haus versuchte eine alte Dame ihren hundekotbraunen 230er Mercedes rückwärts aus einer mit vier Meter Breite scheinbar recht knappen Parklücke zu manövrieren. Sie fuhr dabei in erster Linie den Wagen gerade zurück und anschließend wieder vor, als hätte ich den ganzen Tag Zeit! Vielleicht hatte das Fahrzeug kein Lenkrad. Noch während ich darüber nachdachte, dass alten Menschen in unserer Gesellschaft häufig mit großer Ungeduld begegnet wird, konnte ich mich dabei beobachten, wie ich das Fenster öffnete und rausbrüllte: „Kauf dir einen Kleinwagen! Die Tage dieses großen Autos sind gezählt!“

Eine Mischung aus Wut und Scham ließ meinen Puls hochschnellen und als ich an dem rollenden Hindernis vorbei war, pochten meine Schläfen. Ich mag das gar nicht, so außer Kontrolle zu geraten. Normalerweise bin ich, trotz Temperament, ein höflicher Mensch.

Im Autoradio lief „Highway to Hell”

Wenn jetzt jemand denkt, das sei ein stilistisches Mittel, muss ich leider enttäuschen. So gerne ich mir humorvolle Details ausdenken würde, dies ist ein Tatsachenbericht. Im Autoradio lief „Highway to Hell“. Leider war ich zu beschäftigt mich zu schämen, um den Witz an der Situation zu erkennen.

Ebenfalls humorlos fand mich der Herr, der in der Tiefgarage meines Büros versuchte, mir den Parkplatz vor der Nase wegzuschnappen. Ohne mit der Wimper zu zucken, nötigte ich ihn zur Vollbremsung und das ohne die linke Hand aus der Gummibärchentüte zu nehmen.

Der Tag im Büro verlief, wie man jetzt schon erahnen kann. Die Abteilung, die es seit drei Wochen geschafft hatte, mich mit der Beseitigung eines technischen Problems hinzuhalten, beglückte ich mit einem persönlichen Besuch. Dem Text, den man sonst in eine genervte E-Mail verpackt und damit in die Warteschlange eines Ticketsystems befördert, einmal persönlich Aufmerksamkeit zu verschaffen, wirkte auf mich befreiend und auf mein Anliegen beschleunigend. Dass ich beim Verlassen des Zimmers das Wort „Furie“ gehört habe, war sicher eine Wahrnehmungstäuschung.

Mein Feierabend war geprägt von wirklich umwerfender Müdigkeit und als der “Brot für die Welt“-Spot mit den süßen, armen Babys lief, habe ich geweint. Ich musste auch weinen, weil mein Mann zwar wie immer die Wäsche gewaschen und die Küche sauber gemacht, das Kind ins Bett gebracht und mir eine Kopfschmerztablette und Wasser an die Couch gebracht hatte, aber die nette Nachricht, die ich ihm mittags ins Büro geschickt hatte, immer noch ungelesen war. Männer!!!

Als ich endlich im Bett lag, fühlte ich ein kräftiges, verdächtiges Ziehen im Unterleib. Mir wurde sofort klar, warum dieser Tag neben gefühlten 3000 Kilokalorien (alle zuckerhaltig) auch so viel Ärger, Ungerechtigkeit und Tränen mit sich gebracht hatte. Scheiß PMS. Seit über 30 Jahren trifft mich dieser Mist völlig unvorbereitet. Selbst mit einem Zykluskalender, der ja nun genau angibt, wann die Tage kommen, kapiere ich es einfach nicht. Ich mag mich nicht, wenn ich so aggressiv, weinerlich und selbstgerecht bin. Ich kann es aber nicht steuern und bin nicht imstande, den Grund zu verstehen. Sonst würde ich diese Tage planen und mich von anstrengenden Situationen einfach so gut wie möglich fernhalten.

Meine Tochter wollte letzten Details von mir wissen, zu dieser Zeit im Monat. Nun ja, ich will ihr keine Angst machen und das auch nicht unnötig dramatisieren. Aber ich habe ihr ganz ehrlich gesagt, dass es Mist ist. Monatlicher Mist. Aber dafür kann man Kinder kriegen und das ist toll. Hat sie verstanden. Gottseidank ist sie zu klein um mich fragen zu können, warum zum Teufel die Testflüssigkeit in den Werbespots immer blau oder grün ist. Darauf hätte ich keine Antwort gewusst.

Am Nachbartisch in einem wirklich guten Restaurant hat es letztens ein Junge ziemlich lautstark seiner versammelten Familie erklärt: “Die Mama blutet einmal im Monat – ist aber ganz normal und nicht schlimm.” Seine Mama war so baff, die konnte noch nicht einmal mehr richtig wütend werden 🙂


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