Das Lebensglück sitzt übrigens auf Deiner rechten Schulter.

Machen wir uns nichts vor. Sind wir mal ganz schmerzhaft ehrlich. Ich bin wirklich häufig genervt von meinem Leben als Ehefrau und Mutter. Wie das schon klingt, nach Kinder, Küche, Kirche.

Dabei bin ich eine Mutter, die im Vergleich zu anderen immer relativ viel Zeit für sich hatte, immer einen sehr angenehmen Lebensstandard gewöhnt war, immer wusste was sie kann und wer sie ist. Keine Selbstaufgabe, Zeit für uns als Paar gab es immer und so weiter.

Was mir nie klar war und womit ich bis heute zu kämpfen habe, ist das ich diese „Zeit für mich“ nicht dann zur Verfügung habe, wenn ich sie brauche. Sondern sie ist geplant. Zum Beispiel früher, während meiner Dienstreisen nach Feierabend oder aktuell, seit ich von zuhause arbeite, morgens nach dem Kindergarten. Dann ist Zeit für mich. Jeden Tag habe ich damit zu kämpfen, diese Zeit für mich dann auch zu nutzen. Nicht rumhocken, nicht die Glotze anschalten, kein Nickerchen, sondern Tasche packen und zum Beispiel ab zum Sport. Weil sich jeder Tag ganz anders anfühlt, wenn man wirklich etwas für sich getan hat und weil ich mich nach dem Sport glücklich fühle.

Das Glück ist ein Wimpernschlag

Weil das Glück im Leben meist innerhalb gut genutzter Minuten stattfindet und nicht in Tagen oder Jahren messbar ist, muss man eben manchmal wirklich schnell sein, zumal bei stark begrenzter Freizeit.

Weil man das Glück in diesen Minuten manchmal nur sehen und greifen muss – Wie heute auf einer Parkbank in der Sonne mit meiner Tochter, da habe ich mir dann auch mal aktiv gesagt, dass ich gerade glücklich bin.

Es gibt aber auch Tage, da muss man sich erinnern daran, was einen glücklich macht, muss sich in den Hintern treten und sich ein bißchen nötigen, um den Moment erleben zu können. „Manche Menschen muss man zu ihrem Glück zwingen“, ja hier! Ich gehöre sehr oft zu diesen komischen Leuten.

Genau das passt nicht so gut, wenn man nicht so viel Zeit für sich selbst hat, wie man eigentlich braucht um in die Gänge zu kommen.

Single-Leben

Das klingt nun so, als gäbe es keine glücklichen Momente mit Mann und Kind, das ist natürlich Quatsch. Oft ist das Familienleben lustig, abwechslungsreich, überraschend und viel bunter, als ich mir das als Single jemals vorstellen konnte. Schade halt nur, dass es Harmonie nicht bei Amazon gibt.

Ich kenne die Situation alleine zu leben auch sehr gut. Ich hatte meine Ordnung, konnte alles entscheiden, musste mich nur um mich kümmern. Habe zum Beispiel tagelang von grünem Salat gelebt, oder die Dönerbude an der Ecke täglich besucht, je nachdem ob ich gerade hinter einem Mann her war, oder eben nicht. ? Genau da liegt der Denkfehler der Menschen, die das Single-Leben in der Retrospektive immer idealisieren. Suchen nach irgendwas oder irgendwem, tun doch Alle irgendwie? Warum nur, wenn es doch am allerbesten ist alleine zu leben?

Für mich ist der Preis, den ich für eine Familie „zahle“ sehr viel weniger schlimm, als die Leere, Einsamkeit und auch Orientierungslosigkeit, die ich Alleine öfter mal empfunden habe. Zum Beispiel an grauen Feiertagen im Herbst, wenn man auf der Couch sitzen und rumalbern möchte, aber irgendwie alle ihre Zeit mit der Familie verbringen. Oder wenn ich krank auf dem Sofa lag und daran dachte, wie sich ein Single Dasein mit Mitte 50 anfühlen wird. Ich habe mich auch oft gefragt, welche Wendungen mein Leben noch nehmen würde, ich habe in vielen Städten gelebt, einige Beziehungen gehabt und hatte oft Sehnsucht nach einigen Konstanten im Leben.

Die große quälende Frage, wo ich in 5 Jahren bin, ist beantwortet. Es gehört jetzt ein Mann zu meinem Leben, den ich wunderbar finde, auch wenn es oft anstrengend mit ihm ist und es gibt jetzt diese große Liebe zu einem einzigartigen Kind. Wir sind gesund, können das Leben führen das wir mögen, lachen viel und laut. Es gibt eine tolle Familie, zusätzlich einige Freunde und Bekannte, die uns eigentlich immer aushelfen, wenn wir mal Betreuung für unser Kind brauchen. Ich drehe den Kopf nach rechts und SCHWUPPS, da sitzt doch wieder ein Vögelchen auf meiner rechten Schulter, obwohl ich grade noch so genervt war.

Share: