Meine Kindheit war begleitet von Kinder-Geschichten mit Kobolden und Bienen

Als ich die ersten Kinder-Geschichten auf CD gekauft habe, war ich noch der Meinung, dass das eine gute Sache sei. Ich schwelgte in Erinnerungen, wie ich selbst mit Begeisterung meine Schallplatten vom Pumuckl gehört habe und Kassetten mit den Geschichten der fünf Freunde. Fernsehen durften wir nicht oft und wir waren immer Nachmittags zwei Stunden an der Luft unterwegs. Aber wirklich geliebt habe ich meine Kinder-Geschichten. Mit einem Tränchen der Rührung im Augenwinkel, kaufte ich Pumuckl, Biene Maja, die Olchis.

Worüber ich nicht nachgedacht hatte: Meine Schwester und ich verbrachten tatsächlich Zeit in unseren Zimmern, (ganz im Gegensatz zu meiner Tochter, die sich meist bei uns aufhält). In unserem wundervollen Familienauto gab es keinen Kassettenrekorder, ich bin ein Kind der siebziger Jahre, da war sowas noch Luxuskarrossen vorbehalten und wir fuhren einen Ford Transit… Unser Fernseher war schwarz/weiß bis in die Achtzigerjahre und Videorekorder galten bei uns daheim als Teufelswerk. Soll heißen, meine Mutter kam mit unseren Kinder-Geschichten nie in Berührung, ich hingegen werde beschallt, fast den ganzen Tag.

Kinder-Geschichten gehen nicht ans Herz, sondern auf die Nerven

Manchmal ist das gar nicht so schlimm, ich liebe Astrid Lindgren, Petterson und Findus. Die Olchis, weil sie furzen und Schnürsenkelsuppe essen– die Idee von diesen Antihelden ist mir einfach sympathisch. Das Sams ist trotz seiner nervigen Stimme ganz großartig, weil soviel gereimt wird! Meine Tochter und ich amüsieren uns ganz köstlich darüber.

Aber es gibt auch so manche Figur aus diesen Kinder-Geschichten, die ich von Herzen hasse. Ich glaube, die sind sogar in der Mehrheit. Zum Beispiel Conny, die kleine Klugscheißerin, mit ihrer drogensüchtigen Mutter. Warum ich denke, Frau Klawitter sei drogensüchtig? Naja, dieses Maß an Ruhe und Geduld kann bei einer Mutter eigentlich nur dann vorhanden sein, wenn chemische Substanzen im Spiel sind.

Über Feuerwehrmann Sam müssen wir nicht lange reden, ich kenne keinen Erwachsenen der den mag, nur unsere Kinder sind verrückt danach. Alle sind sich einig: Norman Price muss ins Erziehungscamp. Dann wäre endlich alles gut in Ponty Pandy und wir hätten wieder unsere Ruhe.

Wir haben uns durch alle Folgen „Barbapapa“ gekämpft und „Ein Hoch auf Huckle!“ überstanden. Einer kanadischen Cartoon Serie wo grenzdebile Katzen und Schweinchen in ihren Apfel-, Zahnpasta- und Hot Dog- Autos rumgurken und wirklich simple Rätsel lösen. Eine Folge mussten wir so oft ansehen, dass mein Mann den Text komplett und synchron mitsprechen konnte.

Karla Kolumna ist eine Geißel der Menschheit

Wer Leute, wer hat sich das überlegt?!?  Wenn es schon eine überdrehte und nervige Person in einer Kinder-Geschichte gibt, dann lasse ich sie auch noch von der quietschigsten, rauhsten, aufdringlichsten Stimme seit Andrea Nahles sprechen. WER?!? Der soll sich bei mir melden.

Davon abgesehen, dass ich die „Abenteuer“ von Benjamin nicht so wahnsinnig aufregend finde, na gut. Wir ignorieren die Frage, warum zum Geier ein Zoo, der über einen sprechenden Elefanten verfügt, ständig in Geldnöten ist?!? Ich kann diese Karla Kolumna nicht ertragen. Ich weigere mich im Auto Benjamin Blümchen zu hören, weil mich diese Stimme derart aggressiv macht, dass ich Leib und Leben, mindestens aber den Führerschein riskiere. Volle Konzentration, Blinker ist gesetzt und keiner lässt mich einfädeln? Aus dem Autoradio brüllt es „SEEENSATIONELLLLL!“ und ich ziehe einfach rüber.

Meine Tochter weiß das und was macht sie? Schiebt mir die neue Bibi Blocksberg CD unter, die ich in totaler Unkenntnis auch im Auto einlege. Um dann festzustellen, dass Karla diese alte Nervensäge dort auch am Start ist. Glaub ich doch nicht? Ich hätte fast die CD aus dem Fenster gehauen.

Bibeltreue on the road

Zum Schluss gibt es noch ein wirklich komisches Bonbon für Euch. Quasi das Kinder-Geschichten Easter Egg für die, die soweit gelesen haben. 😊

Anna wollte die Weihnachtsgeschichte hören, wie sie in der Bibel steht. Zu dieser Zeit gab es bei Lidl eine Kinder Bibel, die habe ich ihr mitgebracht. Was wir übersehen hatten, war die beigelegte CD, auf der 7 richtig böse Geschichten des alten Testamentes plus Weihnachten enthalten waren. Als der Sommer kam, fiel die CD der kleinen Dame in die Hand und sie bestand täglich darauf, das Ding auf dem Weg in die Kita zu hören.

„Und dann erschlug Kain seinen Bruder Abel!“ donnerte es aus dem Lautsprecher und ich bemerkte, dass der Herr im Stau neben mir mich mit offenem Mund anstarrte…. Dann fiel mir auf, dass wir alle Autofenster geöffnet hatten, weil es so stickig war. Das Kind saß auf dem Kindersitz, einen Deutschland-Hut (aus der Verkleidungskiste) auf dem Kopf, den sie zu der Zeit besonders gerne mochte. Ich würde ein Monatsgehalt investieren um zu erfahren, welches Bild sich der Herr im Nachbarauto von uns gemacht hat. 😊

 


Wenn ihr mehr von Muttiglück lesen wollt, könnt ihr mir auf Facebook oder Instagram folgen, dann erfahrt ihr immer von neuen Beiträgen!

Share: