Heute ist der internationale Hebammentag 2018. Es ist mir klar, dass dieser Text einer von hunderten da draußen im Netz ist, aber es geht mir nicht darum, besonders originell zu sein. Es geht mir genau um diese Masse an Artikeln, Erfahrungsberichten und die Sichtbarkeit von uns, den schreibenden Müttern. Darum reihe ich mich gerne ein. Ich hoffe, dass Herr Spahn und seine Politik-Konsorten dieses Thema endlich verstehen und ernsthaft bearbeiten. Männer, Ihr seid auch nicht in einer Seifenblase auf die Welt geschwebt. Eure Muttis waren hoffentlich gut von Hebammen betreut, als sie Eure Quadratschädel in die Welt pressten! Ändert endlich etwas an der desaströsen Situation in deutschen Geburtskliniken. Es kann doch nicht sein, dass – in einer reichen Gesellschaft wie unserer – Frauen in einer absolut hilflosen Lage aus Kliniken geschickt werden. Dass ihnen droht, ihr Kind an der Bushaltestelle oder auf dem Krankenhausflur zu entbinden. Ja geht’s noch?

Kerstin Lücking von der Wochenbettbox hat mir folgenden Satz für Herrn Spahn und seine Kollegen mitgegeben:

“Lieber Herr Spahn!

Wir Hebammen sind Fachfrauen, die zur Gesunderhaltung von Mutter und Kind beitragen. Wir sind wichtig und leisten einen enormen Anteil daran, dass Mutter, Vater und Kind einen guten Start ins Familienleben bekommen. Wir Hebammen brauchen dafür Zeit!! Diese sollte entsprechend honoriert und unsere Leistung anerkannt werden.”

Kerstin Lüking, Hebamme, siebenfache Mutter

Ich habe keine Ahnung was es bedeutet, Hebamme zu sein und erst recht nicht davon, wie es ist sieben Kinder zu haben. Hut ab, Kerstin! Aber ich habe den Eindruck, dass Hebammen generell echte Leistungsträger unsere Gesellschaft sind und ihnen dringend der Rücken gestärkt werden sollte. Darum habe ich Euch meine persönliche Erfahrung mit zwei großartigen Frauen aufgeschrieben:

Ohne Hebammen wäre ich absolut verloren gewesen

Meine gesamte Schwangerschaft war begleitet von Angst. Ich war mit 41 Jahren derartig überrascht, doch noch Mutter zu werden, dass ich es einfach nicht glauben konnte. Verzweifelter Zweckpessimismus machte sich breit. Ich war mit jeder Faser meines Körpers darauf eingestellt, das Kind zu verlieren. Ich unternahm zur Vorbereitung auf das Baby nur das, was wirklich unbedingt gemacht werden musste. Es gab keinen Geburtsvorbereitungskurs, kaum Babyausstattung, kein Buch über die Entwicklung von Säuglingen. Nichts.

Meiner guten Freundin Conny, die selbst schon Mutter war, erzählte ich von meinen Ängsten. Sie sagte einen der wichtigsten Sätze meines Lebens zu mir: „Anke, ich verstehe dich und wenn du so fühlst, ist das okay. Man muss ja irgendwie mit seiner Angst umgehen. Aber bitte, bitte gehe sofort los und suche dir eine Klinik, in der du das Kind bekommst und eine Hebamme, die sich um die Nachsorge kümmert. Das zahlt die Krankenkasse. Du hast jetzt einmal ein paar Wege und dafür ist alles abgesichert. Beeile dich, es gibt viel zu wenige Hebammen. Du wirst sie dringend brauchen, gerade weil du unsicher bist!“

Wenn Conny so ernst wird, hat sie Recht. Das ist mir nach über zehn Jahren Freundschaft (Danke, Conny!) klar gewesen. Ich machte mich auf die Suche. Eigentlich war ich viel zu spät dran. Ich mache es kurz: Ich hatte Glück und traf eine Hebamme, die sich wenige Tage vorher selbstständig gemacht hatte und mich übernahm.

Der Feierabend kommt, die Hebamme bleibt

Während der Geburt war ich relativ gut versorgt – von meinem tapferen Mann und einer wunderbaren Hebamme, die spätabends gleichzeitig drei Kreißsäle betreute. Sie bemerkte trotzdem, dass ich nach fehlgeschlagener PDA und 5 Stunden in den Wehen, am Rande meiner Kräfte war und informierte das Ärzteteam. Die eigentliche Geburt, mit Zange und Chefarzt, wollte sie nicht verpassen, nachdem sie mich über einige Stunden begleitet hatte. Obwohl ihre Schicht beendet war, stand sie weiter im Kreißsaal. „Ich habe Feierabend, aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen, ihnen zu diesem wunderschönen und wirklich großen Kind zu gratulieren“, sagte sie schmunzelnd. Das werde ich niemals vergessen. Was für eine wunderbare Frau.

Als wir mit dem Baby zu Hause waren, kam meine Nachsorge-Hebamme Barbara. Sie brachte mir genau die Ruhe, Bodenständigkeit und Kraft, die ich nicht mehr hatte. Die meine Angst, das Kind zu verlieren, gefressen hatte. Ich konnte sie jederzeit alles fragen, einfach per SMS. Barbara nahm mir die Panik vor dem plötzlichen Kindstod, der sich jetzt in meinem Kopf festgesetzt hatte. Sie war einfach da, versorgte das Baby und mich. Zeigte uns die wichtigsten Handgriffe und gab Ratschläge. Das war eine wirklich tolle Erfahrung.

Was haben Hebammen für Euch bedeutet? Lasst uns doch bitte eine kleine Geschichte in den Kommentaren da! Ich versuche alles, was in meiner Macht steht zu tun, damit Herr Spahn oder seine Kollegen diese Kommentare lesen werden.

 


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