Kennt ihr das? Ihr gebt ALLES, ihr strengt Euch richtig an, um dem Nachwuchs einen Wunsch zu erfüllen, oder um Belastungen und Konflikte so weit wie möglich zu reduzieren und es reicht nie.

Am Ende bleibt immer ein schlechtes Gewissen. Das ist wirklich zum gruseln.

Meine Tochter wünschte sich zum Beispiel seit Wochen, mal wieder zu IKEA zu fahren, im Bällebad zu plantschen und zum Abschluss einen Hot Dog zu essen. Klingt harmlos, aber der einfache Weg sind für uns 30 Kilometer, die wir auch noch über den Nachmittags bumsvollen mittleren Ring und die verhexte A9 zurück legen müssen. Also kein richtiger Spaß und ich muss auch zugeben, dass ich jetzt auch nicht darauf brenne, eine Stunde lang durch den IKEA zu bummeln.
Naja, als die nachmittagliche Maulerei sich also wiederholte, die Idee einen wirklich großen Stellenwert im Leben der kleinen Dame einnahm, habe ich mich breitschlagen lassen. Alles liegen und stehen lassen für die Arbeit, um 14 Uhr in den Kindergarten, eine halbe Stunde zu IKEA raus gefahren, eine Stunde lang Kaffee getrunken und Kerzen angeschaut, 200 € ausgegeben für Mist den ich nicht brauche, danach noch bei 25 Grad Raumtemperatur hinter den 50 Leuten am Hot Dog Stand angestellt. (Hey, IKEA da könnten auch mal zwei Mitarbeiter stehen, wenn es sich um FAST Food handeln soll)

Auf dem Rückweg ist dann aufgefallen, dass ich die CD vom Räuber Hotzenplotz nicht mehr im Auto hatte, was schon ziemlich blöd war, weil wir natürlich im Feierabendstau gelandet sind. Da höre ich doch glatt vom Rücksitz:“ Du denkst nie an mich, Du hättest daran denken müssen, dass ich Räuber Hotzenplotz hören möchte“
Da saß ich, verschwitzt, erschöpft, pleite, im Stau eingeklemmt zwischen dicken BMWs. In der Hand eine CD mit der furchtbarsten Kindermusik CD, die man käuflich erwerben kann. Weil ich gerade vorschlagen wollte, statt Hotzenplotz Musik zu hören.

Was dann passiert ist? Ich war gut, ich war so gut.

Handgreiflich werden, fällt ja nun bei Kindern aus, außerdem ist der Kindersitz ziemlich weit entfernt vom Fahrersitz ???????
Ich konnte den Impuls zu schreien unterdrücken, weil „undankbar sein“ für Kinder einfach kein verständlicher Begriff ist, weil ich versuche tatsächlich nur dann böse zu werden, wenn es die Chance gibt, dass sie es wirklich verstehen kann. Vom Rücksitz drang mittlerweile bockiges Heulen zu meinen Ohren.
Ich drehte das Radio lauter, schmiss die Kinder CD zurück ins Handschuhfach und schaltete meine Ohren auf Durchzug. Lieber nichts sagen, als böse sein.
Zuhause haben wir uns wieder vertragen, meine Tochter hat mir gesagt, dass ich ne super Mutti bin, obwohl ich IMMER ALLES vergesse. Ich habe ihr gesagt, dass sie ne super tolle Tochter ist, obwohl sie IMMER ANDAUERND meckert. Alles war wunderbar und rosarot….

Bis ich diese Geschichte einer Bekannten erzählte und die sagte: WAAAS? Du hast eine halbe Stunde lang nicht mit ihr gesprochen? Du bist aber hart.

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