Ich sitze hier, Sonntag 6.30 Uhr- alles ist ruhig. Meine beste Zeit zu schreiben. Eigentlich bin ich ein früher Vogel. Heute fallen mir fast die Augen zu. Der Kopf ist voller Watte und es fühlt sich an, als sei mein Blut über Nacht durch heiße Luft ausgetauscht worden. Ich fühle mich wie der „Marshmallow man“ aus Ghostbusters. Ich möchte einfach schlafen.

Der Riesenkrake oder irgendein Monster lässt uns nicht schlafen

Ich bin selber schuld und kann doch nichts dafür.Wir waren im Naturkundemuseum, nicht in einem Horrorfilm. Ich war um Bildung bemüht, nicht um Ablenkung. Das Kind wacht seit einer Woche jede Nacht schreiend auf, weil der japanische Riesenkrake wieder durchs Kinderzimmer geturnt ist. Den haben wir da angeschaut, im Museum. Ja er hatte echt lange Tentakel, aber damit konnte man nicht rechnen. Hey, sie ist doch sonst echt cool. Wir standen auch nur ein paar Minuten vor dem ausgestopften Drecksvieh.

Fragt man Eltern, was die schrecklichste Seite daran ist ein Kind zu haben, sagen alle: Der Schlafmangel. Sieht das jemand anders? Bitte melden und verratet mir Euren Trick.

Das Gehirn ist ohne Schlaf wie Derrick ohne Harry. Wer verdammt soll hier den Wagen vorfahren?

Ich erinnere mich an einige Aggregatzustände meines Gehirns, die ich ohne Kind sicher nie kennen gelernt hätte.Vorher hatte ich immer ausreichend Schlaf

  • Wenn ich zum Beispiel so langsam gedacht habe, dass ich beim Denken stehen oder sitzen musste, um mir noch folgen zu können. Ohne Quatsch, ich konnte mir selbst nicht mehr folgen, weil die Bewegung meiner Beine mich zu sehr abgelenkt hatte.
  • Ein Meeting mit amerikanischen Kollegen, in dem ich meine Kollegin fragen musste wie das englische Wort für „Tisch“ ist, klebt in meinem Kopf. Natürlich war mir klar, dass ich das Wort kannte. Ich kämpfte wie ein verzweifelter Stotterer um den Satz, dachte lange nach und traute mich schließlich zu fragen. Alle starrten mich an und erklärten mich innerlich für doof.

Es gibt so viel mehr Episoden, an die ich mich erinnere.

  • Einmal stand ein Kollege in meiner Bürotür und ich bin sicher er hat den Mund bewegt, aber ich habe keine Worte wahrgenommen. Ich sagte: „Ja ist gut“. Er wartete vergebens 10 Minuten im Meetingraum auf mich und war anschließend zu Recht böse.
  • Ich habe mir Apfelsaft statt Milch in den Kaffee gegossen und erst beim letzten Schluck gemerkt, dass etwas nicht stimmt.
  • An der Supermarktkasse habe ich angefangen zu weinen, weil ich den Käse vergessen hatte.
  • Unter der Dusche habe ich mich fast verbrüht, weil ich irgendwie im Stehen eingeschlafen sein muss und der Hahn plötzlich auf der heißesten Stufe stand.
  • Nach 10 Minuten vor dem Kaffeeautomaten war der Kaffee eiskalt, aber ich wusste plötzlich wieder, was ich in der Küche wollte! Einen Kaffee kochen.
  • In der U-Bahn war ich plötzlich komplett weg und bin bis zur Endstation gefahren, der Termin beim Kardiologen, auf den ich 9 Wochen gewartet hatte, war futsch.
  • Den absoluten Knaller habe ich mir geleistet, als ich nach 4 durchwachten Nächten einen BH kaufen wollte. Ich war im Laden, habe den BH anprobiert, all das sehr langsam aber routiniert. Danach habe ich ihn in meine Tasche gepackt und war mit meinen sehr langsamen Gedanken an das Abendessen sehr beschäftigt – bis der Alarm den die Diebstahlsicherung auslöste mich geweckt hat. Eines muss ich sagen, wenn man mal ordentlich etwas mitgehen lassen will, sollte man vorher einige Nächte durchmachen. Ich war nämlich trotz des peinlichen Zwischenfalls so unfassbar ruhig und wirkte wohl absolut gelassen. Kein Mensch hat vermutet ich wollte stehlen. Wäre mir auch egal gewesen, wahrscheinlich hätte ich mich unter dem Tisch des Kaufhausdetektivs zusammengerollt und ein Nickerchen gemacht.

Endlich ein Nickerchen! Egal wo, Hauptsache schlafen!

Apropos Nickerchen. Eine Zeit lang war es so schlimm, dass ich tatsächlich meine Mittagspause schlafend in der stinkigen Tiefgarage in meinem Auto verbracht habe. War sicher nicht gesund, mit all den Abgasen, aber irgendwie hilfreich für einen Achtstunden Tag.

Es gab Tage, da fühlte ich mich wie eine überforderte Zuschauerin in einem skurrilen Theaterstück- mein müdes Hirn war nicht mehr in der Lage, Informationen zu filtern. Alles was auf mich einströmte, schien dieselbe Priorität zu haben. Ich habe zum Beispiel den Gesprächen von anderen mit derselben Aufmerksamkeit zugehört, wie Menschen die mit mir sprachen. Das ist kaum auszuhalten, man erfährt in U-Bahnen und Wartezimmer auf diese Art so wesentlich mehr von seinen Mitmenschen, als man wissen will.

Albtraum, Zähne, Kotze. Das Ende vom Lied ist immer zu wenig Schlaf

Und immer wenn man denkt das Thema Schlafmangel sei abgehakt, dann kommt irgendwo ein Albtraum her. Oder eine durchkotzte Nacht, weil eine ganze Tüte gebrannte Mandeln halt doch zu viel war. Manchmal lässt die Sorge mich nicht schlafen, weil ich merke das etwas nicht gut läuft.

Und wenn das Kind am Wochenende mal bei der Oma schläft, könnten wir ja ausschlafen. Welche Freude! Kein Wecker weder digital, noch mechanisch und auch kein humaner Wecker. Toll. Mit Mühe und Not schlafen wir bis 7.30 Uhr.
Wie machen das eigentlich Eltern mit zwei, drei, vier Kindern? Die schlafen ja wahrscheinlich gar nicht mehr. Ich bewundere Euch, Leute. Ich muss es immer wieder sagen.


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